Kommentar von Josef Maier
Wahrlich kein Volltreffer

Der Jubel ist groß - endlich mehr Gerechtigkeit durch die Torlinientechnik. Wirklich?

Fußball ist ein Spiel, das neben Ballfertigkeit, Kraft und Kampf auch von menschlichen Fehlern lebt. Von denen der Spieler, und auch denen der Schiedsrichter. Ab der nächsten Saison wird es keine Diskussionen mehr geben, die in all den Jahren Generationen beschäftigten. Wembley - bye, bye. Anstatt die Schiedsrichter und ihre Teams noch besser zu schulen, wird's nun technisch geregelt. Der Mensch kapituliert.

Oft heißt es ja, es gehe in diesem Geschäft um Millionen, es gehe um Existenzen, da könne man sich keine Fehler erlauben. In der ersten Liga geht es sicher nicht um Existenzen. Wenn, dann gilt das für die unteren Profiligen, doch dort wird es die Technik nicht geben. Sind dort Fehlentscheidungen weniger schädlich oder ärgerlich?

Die Einführung der Torlinientechnik wird nur der Anfang sein hin zum Videobeweis. Die Verantwortlichen können gar nicht anders. Ein nicht gegebener Elfmeter, ein kassiertes Abseitstor - wo ist der Unterschied zu einem nicht gegebenen Tor nach einem Lattenschuss? Wo fängt man an, wo hört man dann auf, um Foulspiele videotechnisch zu sezieren? Das Spiel dürfte sich dann nicht mehr nur vor und in den Strafräumen, sondern auch draußen vor den Monitoren abspielen.

Ja, es ist ärgerlich und manchmal auch sehr bitter, wenn Fehler auf dem Platz passieren. Aber trotz aller Millionen, trotz des ganzen Brimboriums, der um den runden Ball gemacht wird. Es ist Spaß, Unterhaltung. Es ist immer noch nur ein Spiel.

josef.maier@derneuetag.de

Wer hat die Technik?

England: In der Premier League kommt die Torlinientechnik der Firma Hawk-Eye seit der Vorsaison zum Einsatz. Damit war die Liga weltweit Vorreiter bei der flächendeckenden Anwendung technischer Hilfe.

Spanien: Die Primera División hat derzeit keine konkreten Pläne für die Einführung einer Torlinientechnologie.

Italien: In der Serie A gibt es für die Schiedsrichter keine technischen Hilfsmittel, stattdessen sind zwei zusätzliche Torrichter im Einsatz. Überlegungen zur Einführung einer Torlinientechnologie gibt es in Italien nicht.

Fifa: Der Weltverband hatte sich vor dem Confederations-Cup 2013 in Brasilien für Goal-Control entschieden und setzte das System des Unternehmens aus Würselen nach dem erfolgreichen Test auch bei der WM ein.
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