Kommentar von Jürgen Herda
Dezentrale Klasse statt Trasse: Seehofers neuester Lichtblick

Mensch ärgere dich nicht. Karikatur: Tomicek
Ministerpräsident Horst Seehofer hat Recht: Man kann bei der Energiewende "nicht ein Segment isoliert betrachten". Ein Gesamtkonzept muss her statt des Flickenteppichs, auf den jede Lobby ihr Anliegen näht: die Energiekonzerne ihre angeblich alternativlosen Stromtrassen und den Bau neuer Kohlekraftwerke, gepusht von Nordrhein-Westfalen und Brandenburg; die Wirtschaftsverbände ihre lange Liste von der EEG-Umlage verschonter Unternehmen; die Automobil- und Ölindustrie ihre Unlust an Elektromobilität.

Trotz der Panikmache, dass in Bayern die Lichter ausgehen, wenn das letzte Atomkraftwerk vom Netz geht, ist es sehr wohl sinnvoll, zunächst ein regionales Gesamtkonzept zu erstellen. "Wir haben Biomasse- und Windpotenziale in Bayern, die viel wirtschaftlicher zu erschließen sind, als eine Trasse, die Kohlestrom nach Bayern liefert", sagt Professor Markus Brautsch, Energieexperte der OTH Amberg-Weiden.

Erst wenn man alle Potenziale im Freistaat in Betracht zieht, kann man eine Aussage darüber treffen, welcher Trassenbedarf besteht: Eigenstromversorgung für Haushalte und Unternehmen mit Photovoltaik, Kraft-Wärme-Koppelung, Biomasse, Gaskraft als Reserve - und das Ausschöpfen aller Einsparungspotenziale. Nach dem Motto: dezentrale Klasse statt Trasse.

juergen.herda@derneuetag.de
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