Kommentar von Jürgen Herda
Die Schönrechner der atomaren Folgekosten

Zwischenlager. Karikatur: Tomicek
So zerbrechlich sieht die Erde aus der Ferne aus: "Bald weg", twitterte Astro-Alex, alias Alexander Gerst von oben, "der Regenwald am #Amazon ist die Lunge unseres Planeten. Können wir ohne sie leben?" Dabei hatte Gerst noch Glück: Manche plädieren dafür, unseren Atommüll zur Sonne zu schießen - da hieße es künftig: "Kopf einziehen, Herr Astronaut!"

Es bleibt also nichts übrig, als den ewig strahlenden Müll zu versenken. Zwischen 1946 und 1982 verklappte man die gelben Fässer in Ärmelkanal und Nordatlantik. Im maroden Atommülllager Asse lagern 126 000 Zeitbomben. Und selbst die Castor-Behälter erreichen noch vor der Inbetriebnahme des ersten Endlagers ihr Ablaufdatum. Dass die Bundesregierung nun einräumt, mit doppelt so viel Atommüll zu rechnen wie geplant, zeigt, wie genau man es mit der Kalkulation der atomaren Folgekosten genommen hat: schönrechnen und Smiley aufs Fass! Insofern ist die von den vier Großen geschickt inszenierte Debatte um den Preis der Energiewende ein Geniestreich politischer PR. Nach Berechnungen des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft erzielten die Konzerne seit 1970 durch die freie Verwendbarkeit der Rückstellungen einen Vorteil von etwa 80 Milliarden Euro. Eine astronomische Rechnung.

juergen.herda@derneuetag.de
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