Kommentar von Jürgen Herda
Ein dritter Weg aus der Schuldenkrise

Alles griechisch, oder was? Oîda ouk eidos, was so viel heißt wie "Ich weiß, dass ich nicht weiß." Der Satz wird Sokrates zugeschrieben und bedeutet: Wer in der Tiefe forscht, versteht die Komplexität der Materie und meint nicht, alle Prozesse beherrschen zu können.

In der Griechenland-Krise beherrschen längst uns die Prozesse und nicht umgekehrt. Es gibt für beide Positionen gute Argumente. Die Ja-Sager zum dritten Hilfspaket wie Uli Grötsch (Weiden/SPD), Barbara Lanzinger (Amberg, CSU) oder Reiner Meier (Tirschenreuth, CSU) werden nicht nur den Sanktionsknüppel ihres Fraktionsvorsitzenden fürchten. Sie können mit vielen Experten sagen: Der Grexit kommt uns noch teurer, denn natürlich bleibt Griechenland in der EU und die Schulden lösen sich nicht in Wohlgefallen auf.

Die Nein-Sager wie Alois Karl (Neumarkt, CSU) oder Albert Rupprecht (Waldthurn, CSU) können sich auf die EU-Hausordnung berufen, die eine Transfer-Union ausschließt, und sind skeptisch, dass der erneute Nachschlag etwas an der Wurzel des Übels ändert.

Einen anderen Blick auf die Griechenland-Krise, die eine Krise des Bankensystems ist, werfen Matthias Weik und Marc Friedrich. In ihrem Buch "Der Crash ist die Lösung" zeigen die Ökonomen, dass die Maßnahmen zur Banken- und Eurorettung auf die Enteignung aller europäischen Bürger rausläuft. Ein dritter Weg zwischen Ja und Nein wäre ein gemeinsamer europäischer Weg aus der Krise.

juergen.herda@derneuetag.de
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