Kommentar von Jürgen Herda
Einbruch lohnt sich nicht, die Gründung einer Bank sehr wohl

Türkischer Teppich. Karikatur: Tomicek
"Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?" Brechts antikapitalistischer Aphorismus ist aktueller denn je. Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit manipulierten die globalen Finanzriesen Bank of America, Barclays, Mitsubishi-UFJ, Citibank, Credit Suisse, Deutsche Bank, HSBC, JPMorgan Chase, Lloyds, Royal Bank of Scotland und die UBS den Libor. Wen?

Wenn Josef Ackermann, Lieblingsbösewicht der Medien, das Victory-Zeichen formt, ist das Getöse groß. Wenn's aber ans Eingemachte geht, bekommt's keiner mit. Der Libor ist die London Interbank Offered Rate, die angibt, zu welchen Konditionen sich Banken weltweit Geld leihen. Bewusste Falschangaben bei der zweiten Stelle hinterm Komma bescherten Insidern Milliardengeschäfte. Dem "Wall Street Journal" zufolge soll allein die Deutsche Bank mit Wetten auf diese winzigen Veränderungen 500 Millionen Euro erschlichen haben.

Dass die Frankfurter mit 2,3 Milliarden Euro eine Rekordstrafe zahlen müssen, liegt an der wenig kooperativen Haltung der Deutschen. Victory-Zeichen statt Schuldbewusstsein eines systemrelevanten Instituts. Denn trotz Rückstellungen von 4,5 Milliarden Euro für juristische Auseinandersetzungen wird die Deutsche Bank im ersten Quartal Erträge auf annäherndem Rekordniveau verzeichnen.

Keine Kunst: 5,1 Billionen Euro erhielten europäische Finanzinstitute von 2008 bis 2012 laut EU-Kommission für ihre Rettung. Man sieht: Einbruch lohnt sich nicht, die Gründung einer Bank sehr wohl.

juergen.herda@derneuetag.de
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