Kommentar von Jürgen Herda
Florians-Prinzip beherrscht die Asylpolitik in Europa

"Endlich mal was Nettes ...!" Karikatur: Tomicek
Wie verrückt ist das denn? Bei der Verteilung von Flüchtlingen gilt das Ankunftsprinzip: Wenn unbegleitete Minderjährige im Landkreis Neustadt/Waldnaab aufschlagen, dann müssen sie dort bleiben - die Grenzregionen trifft's am Ärgsten. Sie können kaum noch die pädagogische Versorgung sicherstellen.

Merken Sie was? Es herrscht im Kleinen das gleiche kuriose Prinzip wie in der europäischen Flüchtlingspolitik: Welche Logik wohnt denn der Idee inne, dass Flüchtlinge im ersten sicheren Drittland verbleiben müssen? Was ist gewonnen, wenn man Italien und Spanien aufbürdet, sich gefälligst um alle Bootsflüchtlinge aus Afrika zu kümmern? Gar nichts. Die Behörden dort werden die Weiterreise der armen Teufel nicht behindern.

In Sonntagsreden rühmt sich die EU als werteorientierte Solidargemeinschaft. Als solche sollte sie Verantwortung für die koloniale Ausbeutung anderer Kontinente übernehmen, Aufbauhilfe leisten und eine faire Verteilung der Flüchtlinge nach Leistungsfähigkeit vornehmen.

Quizfrage: Wer nimmt die meisten Flüchtlinge auf? Deutschland natürlich? In absoluten Zahlen stimmt das. Pro 1000 Einwohner aber rangiert laut Eurostat (2014) das wirtschaftlich stärkste Land mit 2,5 Asylbewerbern auf Platz 8. Ganz vorne: Schweden mit 8,4, das Gutmensch-unverdächtige Orbán-Ungarn mit 4,3 und Österreich mit 3,3. Oh, Sankt Florian!

juergen.herda@derneuetag.de
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