Kommentar von Jürgen Herda
Kinderkrippe oder trautes Heim - keine Frage des Geldbeutels

Unerwünscht. Karikatur: Tomicek
Ronja war Krippenkind. Die Zweijährige kam, sah und spielte. Tränen gab es selten. Sie fühlte sich bei den herzlichen Damen der AWO wohl. Max kam, sah und schrie: Er wollte sich partout nicht von seiner Mutter trennen. Und auch nach dem zehnten Anlauf ließ der kleine Racker nicht locker.

Die Beispiele zeigen: Kinderkrippe kann eine Lösung sein. Sie ist es nicht immer. Für viele alleinerziehende Mütter stellt sich gar nicht die Frage. Für Familien, die nur als Doppelverdiener über die Runden kommen, auch nicht. Für deren Kinder die bestmöglichen Rahmenbedingungen zu schaffen, ist politische Pflicht: liebevolle Betreuung, nicht nur Verwahrung.

Was nützt dem Kindswohl mehr? Trautes Heim oder früher sozialer Kontakt? Auch dazu gibt es keine letzten Wahrheiten. Die geliebte Kindergärtnerin unserer Tochter sagt: "Man muss Kinder in diesem Alter mit Liebe vollpumpen." Das können Eltern auch nachmittags.

Das Bundesverfassungsgericht hat das Betreuungsgeld aus formalen Gründen gekippt - zur Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse sei dieses Geld nicht notwendig. Richtig ist: 150 Euro Anerkennung - so bewertet die katholische Kirche das Betreuungsgeld - für die Selbstverständlichkeit, das eigene Kind zu betreuen, sollten nicht entscheidend sein.

juergen.herda@derneuetag.de
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