Kommentar von Jürgen Herda
Kostprobe einer Katastrophe: Alltag in vielen Ländern

Es ist eine winzige Kostprobe davon, was in anderen Weltteilen Alltag ist. Was ist geschehen? Ein US-Kampfjet stürzt bei einem Übungsflug in einen Wald an der Grenze zwischen Oberfranken und der Oberpfalz. An Bord allem Anschein nach nur Übungsmunition - und Giftstoffe, die für den Betrieb eines F-16 nun einmal unerlässlich sind. Kein Mensch kommt zu Tode, nur der Pilot und zwei Passanten erleiden leichte Verletzungen. Der Schaden für die Umwelt muss erst noch ermittelt werden. Wer dafür aufkommt, ebenfalls.

Und doch: Wer sich der Unfallstelle nähert, fühlt sich wie in der Szenerie eines Katastrophenfilms: Gesperrte Straßen, Kontrollen, wo man sie nicht erwartet - an winzigen Kreuzungen und Waldwegen. Kolonnen von Rettungsfahrzeugen legen die Infrastruktur mehrerer Dörfer lahm. Sirenen, Blaulicht, Hubschrauber, Feuerwehrleute in gespenstischen Schutzanzügen. Die Behörden gehen auf Nummer sicher - und das ist auch gut so. Aber trotzdem: Nichts geht mehr, weil ein Flugzeug nicht etwa auf ein Atomkraftwerk stürzte - sondern lediglich auf eine Lichtung.

Ob Afghanistan, Irak, Türkei, Ukraine oder Syrien: Dort wird nicht geprobt. Dort ist die Katastrophe Alltag. Von dort kommen die Menschen, die bei uns Sicherheit suchen. Dieser harmlose Testlauf ist eine Gelegenheit für uns, uns den Ernstfall wenigstens annähernd vor Augen zu führen.

juergen.herda@derneuetag.de
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