Kommentar von Jürgen Herda
Narrenfreiheit ja, aber nicht für gewaltige Spinner

Lichtgestalten. Karikatur: Tomicek
Es ist ein alter Witz: Fasching ist eine ernste Angelegenheit. Jecken aller Couleur verteidigen nicht immer nur die Freiheit des Andersdenkenden im Sinne von Rosa Luxemburg. Natürlich mussten die Nazis auch diesen Spaß für ihre Hirngespinste missbrauchen und den guten Deutschen die Karikatur des "gierigen Juden" vorführen.

Hakennase, dicke Lippe, Zottelbart - so diffamierten Streichers "Stürmer"-Zeichner den "ewigen Juden". Die Mohammeds auf Karikaturen heute sehen nicht viel anders aus. Klar, es ist nur der "irre Islamist" gemeint, nicht der nette Moslem von nebenan. Ob da chronisch schlecht gelaunte Pegidadisten so genau hinsehen? Vornehmste Eigenschaft von Karneval und Satire ist die Frechheit gegenüber den Mächtigen - nicht die Verhöhnung von Minderheiten.

Das Dilemma von Köln und Braunschweig: Über zügellosen Frohsinn können sich seit dem Mittelalter Glaubensfanatiker ereifern. Das schlimmste Szenario: Rechte Spinner jubeln heimlich über Anschläge religiöser Narren - weil ihre Parolen dann Konjunktur haben.

Ein Zeichner steckt dem Terroristen seinen Stift in den Lauf: Das beim Online-Voting für den Kölner Rosenmontagszug prämierte Motiv war politisch völlig korrekt - Humor endet wie die Freiheit immer erst bei der Würde des Andersdenkenden.

juergen.herda@derneuetag.de
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