Kommentar von Jürgen Herda
Unsere Freiheit wird in Syrien verteidigt

Es ist traurige Nachrichtenrealität: Je näher ein Ereignis rückt, desto größer wird es im Auge des Betrachters. 129 Tote bei den Anschlägen von Paris - ein bestialischer Akt von Verblendung. Es hätte noch schlimmer kommen können, hätten die Terroristen nicht zwei verängstigte Teenager vor dem Stade de France postiert, die sich "nur" selbst in die Luft sprengten.

Seit Dienstag ist der IS-Terror in Deutschland angekommen. "Opfer" bisher: ein Koffer mit Bombenattrappe und ein ausgefallenes Länderspiel. Schlimm genug, dass es eine Gruppe psychopathischer Religionskrieger schafft, eine demokratische Gesellschaft zu verunsichern. Nicht erst seit Hannover ist klar: Auch geschlossene Grenzen schützen nicht vor Selbstmordattentätern. Die Absage war folgerichtig: Aus Stolz Leben zu riskieren, geht gar nicht.

Dennoch: Hauptziel des IS-Terrors ist nicht Europa. Rund 300 000 Menschen wurden bisher in Syrien getötet, rund 11 Millionen sind auf der Flucht. Für eine Facebook-Aktion mit Säulen des zerstörten Tempels von Palmyra im Peace-Zeichen reichte das bisher nicht.

"Unsere Freiheit wird am Hindukusch verteidigt", sagte Peter Struck. Momentan wohl eher bei Rakka - nur: Alibi-Angriffe aus der Luft werden nicht reichen. Die Chance dieser Gefährdung: Europa rückt endlich wieder etwas zusammen.

juergen.herda@derneuetag.de
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