Kommentar von Jürgen Umlauft
Einsame Spitze: Seehofer fehlt ein würdiger Nachfolger

Die CSU hat einen Wohlfühl-Parteitag hinter sich. Die Partei steht in Umfragen bestens da, und sie erwärmt sich an den erstaunlichen Erfolgen, die sie als kleinster Partner der Großen Koalition in Berlin erreicht hat bei Mütterrente, Ausländermaut und kalter Progression.

Auch deswegen sitzt ihr Vorsitzender Horst Seehofer fester denn je im Sattel. Geschafft hat er das zudem mit einem uralten Kniff. Seit Monaten beschwört er seinen heroischen Kampf gegen die böse Welt da draußen, die nach seiner Lesart aus einer hetzenden Opposition und ungebührlich lästernden Medien besteht. Der derart stark geredete Feind im Äußeren schweißt die CSU zusammen und lässt sie sich um den Häuptling scharen. So eng wie heute war die Beziehung zwischen Seehofer und seiner Partei noch nie.

Genau das führt zum einzigen Problem, das die Delegierten in Nürnberg umtrieb: Zur N-Frage. Seehofer will sich 2018 aus der aktiven Politik zurückziehen, aber weil sich kein natürlicher Nachfolger für Parteivorsitz und Regierungsamt aufdrängt, ist die Partei verunsichert.

Gegen beide Favoriten, Markus Söder und Ilse Aigner, gibt es in Teilen der CSU aus unterschiedlichen Gründen spürbare Vorbehalte. Möglichen lachenden Dritten - wie Joachim Herrmann, Alexander Dobrindt oder Marcel Huber - fehlt die nötige Strahlkraft. Seehofer hat einen "geordneten Übergang" zur nächsten Generation versprochen. In ihrer Geschichte hat das in der CSU noch keiner hinbekommen. Schafft es Seehofer, wäre es fast ein Wunder und ihm ein Platz unter den CSU-Säulenheiligen sicher.

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