Kommentar von Jürgen Umlauft
Mit dem Querkopf Gauweiler hat sich die CSU verzockt

Sturmschäden. Karikatur: Tomicek
CSU-Chef Horst Seehofer hatte sich auf ein hoch riskantes Spiel eingelassen, als er vor den Wahlschlachten der Jahre 2013 und 2014 den national-konservativen Querkopf Peter Gauweiler als Vize in die Parteispitze holte. Jedem in der CSU war damals klar, dass Gauweiler kein Teamspieler ist, sondern im Zweifel ein kompromissloser Rechthaber. Gauweilers Biografie ist voll entsprechender Indizien. Man ließ sich trotzdem auf den streitbaren Oberbayern ein, es war eine Panikreaktion auf das Erstarken der Alternative für Deutschland. Gauweiler sollte helfen, euro- und europakritische Wähler bei der CSU zu halten.

Angst ist aber auch in der Politik zumeist ein schlechter Ratgeber. Hätten die Parteitagsdelegierten 2013 mit kühlem Kopf entschieden, hätten sie Gauweiler nicht wählen dürfen. Ein freies Radikal in der Parteispitze, das sich keiner Disziplin unterordnet, ist auf die Dauer gefährlicher als die vage Hoffnung auf ein paar Wählerstimmen am rechten Rand. Die Quittung kam schon bei der Europawahl, als die CSU auf ein historisches Tief stürzte. Gleichzeitig glaubwürdig für und gegen Europa zu sein, nahmen die Wähler der CSU nicht ab. Seehofer und die Seinen hatten sich mit der Personalie Gauweiler verzockt.

Nach der Griechenland-Abstimmung im Bundestag hat Seehofer seinem Vize das Vertrauen entzogen. Dass Gauweiler nun mit seinem Rückzug einer monatelangen Demontage zuvorkommt, entspricht seinem Naturell. Obrigkeitshörigkeit war nie seine Sache, er hat damit auch unbestrittene Erfolge erzielt. Am Ende seiner politischen Laufbahn stand sich Gauweiler aber dann doch wieder selbst im Weg. Man kann sein Verhalten prinzipientreu nennen - oder einfach nur stur.

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