Kommentar von Jürgen Umlauft
Parteitag sendet Signale für ein Führungsduo Weber-Söder

Die CSU hat auf freier Strecke einen Generationswechsel eingeleitet und die ersten Weichen für die Zukunft nach Horst Seehofer gestellt. Drei Vorgänge lassen diesen Schluss zu: Erstens das hervorragende Wahlergebnis für Manfred Weber (43), der - von der Öffentlichkeit fast unbemerkt - als Vorsitzender der EVP-Fraktion im Europa-Parlament zu den einflussreichsten Personen des Kontinents gehört. Zweitens die mehrfach offen zur Schau gestellten Sympathiebekundungen für Finanzminister Markus Söder (48). Und drittens spielte Ilse Aigner das ganze Wochenende über praktisch keine Rolle.

Offenbar weiß die von Seehofer gerne beschworene "kollektive Intelligenz" der Partei heute schon mehr als der Vorsitzende. Der will eigentlich den geordneten Übergang auf die nächste Generation nach seinen Vorstellungen steuern. Weber gehört bestimmt dazu, Söder eher nicht. Seit Samstag hat es Seehofer aber nicht mehr selber in der Hand, wie seine Nachfolge geregelt wird. Die Parteibasis hat sich überraschend frech eingemischt und dem Chef mit einer mauen Wiederwahl bedeutet, dass sie seinen von vielen als zu eigenmächtig und autoritär empfundenen Stil nicht länger akzeptiert.

Horst Seehofer will 2017 den Parteivorsitz und 2018 das Amt des Ministerpräsidenten abgeben. Für die Zeit danach scheint sich die CSU wieder eine Doppelspitze zu wünschen. Weber als Partei- und Söder als Regierungschef könnte funktionieren. Es wäre die Wiederauflage eines niederbayerisch-fränkischen Führungsduos, wie es allerdings 2008 mit Erwin Huber und Günther Beckstein für die CSU ins Verderben führte. Anders als die beiden hätten Weber und Söder jedoch mehr Zukunft und Dynamik zu bieten. Das zurückhaltend Nachdenkliche des einen könnte sich gut mit dem forsch Drängelnden des anderen ergänzen.

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