Kommentar von Jürgen Umlauft
Respekt gegenüber anderen prägt das weltoffene Bayern

Schlagfertig Karikatur: Tomicek
Die Staatsregierung hat schnell reagiert. Nur fünf Tage nach den Anschlägen von Paris hat der Ministerrat die Schaffung zusätzlicher Stellen für Terrorfahnder und -überwacher beschlossen. Das ergibt Sinn, wenn man gewaltbereite islamistische Zellen und terroristische Netzwerke schneller aufspüren und besser beobachten will. Mit der Verschärfung von Sicherheitsgesetzen soll ein zweiter Schritt folgen.

Hier aber geht Sorgfalt vor Schnelligkeit. Schon nach den 9/11-Anschlägen von New York 2001 wurden bürgerliche Freiheiten oft bis an den Rand des verfassungsgemäß Zulässigen gekappt, im Fall der umstrittenen Vorratsdatenspeicherung sogar darüber hinaus. CSU und Staatsregierung sind gut beraten, sich die abwägende Besonnenheit von Bundesinnenminister Thomas de Maizière zum Vorbild zu nehmen.

Mehr Personal und überarbeitete Gesetze können aber nur ein Teil der Konsequenzen sein. Gefordert ist die ganze Gesellschaft, und zwar auf Dauer. Es muss Grundkonsens aller sein und auch gelebt werden, dass auf der Basis des Grundgesetzes und der geltenden Rechtsordnung nur der Respekt vor dem jeweils anderen vor Hass und Gewalt schützt, dass Radikale jeglicher Art bei uns keinen Platz haben.

Wer jetzt andere einfach wegen ihres Glaubens oder ihrer Herkunft ausgrenzt oder aber sich der Integration in unsere demokratische Werteordnung verweigert, leistet weiterer Radikalisierung Vorschub und trägt dazu bei, dass die Saat eifernder oder gar mordender Hetzer aufgeht. Wehrhaft ja, verblendet nein. Sonst setzen wir das weltoffene Bayern aufs Spiel, dass die Generationen seit dem Krieg mühevoll aufgebaut haben.

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