Kommentar von Jürgen Umlauft
Seehofers Kraftmeierei entwertet einen vorbildlichen Kraftakt

Wie schon bei den Stromtrassen droht Horst Seehofer Opfer seiner eigenen vollmundigen Ankündigungen zu werden. Zwei Wochen lang hat er wegen des nicht abebbenden Flüchtlingsstroms mit wachsender Dringlichkeit von bayerischen Notmaßnahmen zur Zuzugsbegrenzung gesprochen. Gestern, nach der Sondersitzung des Kabinetts wollte er sie präsentieren - doch in seinem "Werkzeugkasten" waren nur ein paar Schraubenzieher zum Nachjustieren. Das schwere Gerät, das er hätte auffahren müssen, um seine bayerische Begrenzungsstrategie glaubwürdig untermauern zu können, scheint jedenfalls nicht darin zu sein. Wie auch, Seehofer und dem Freistaat fehlen dafür schlicht die Kompetenzen.

Seehofer hat nun auch bei der Flüchtlingsbegrenzung Erwartungen geweckt, die er als bayerischer Ministerpräsident nicht einhalten kann. Wieder bleiben enttäuschte Bürger zurück, die seinen markigen Worten nur zu gerne vertraut haben. So schürt man Frust und stärkt radikale Kräfte. Dabei ist der Kabinettsbeschluss vom Freitag in der Sache ein guter. Er nimmt sich in einem beispielgebenden Kraftakt der großen Integrationsherausforderung an und benennt die wahren Kompetenzen zur Lösung der Flüchtlingskrise. Mit seinem kraftmeierischen, aber realitätsfremden Bohei hat Seehofer das Papier aber selbst entwertet und seiner Glaubwürdigkeit weiteren Schaden zugefügt.

redaktion@derneuetag.de
Weitere Beiträge zu den Themen: Kommentare (5731)Oktober 2015 (8435)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.