Kommentar von Jürgen Umlauft
Umfrage blendet die Sicht von 1,4 Millionen Bürgern aus

Riesenslalom von Davos. Karikatur: Tomicek
Die Bayern sind eng verbunden mit ihrer Heimat und größtenteils zufrieden mit der Politik im Land. Das ist die Quintessenz der von der CSU in Kreuth veröffentlichten Umfrage. Das Ergebnis hat nur einen Schönheitsfehler: Befragt wurden lediglich die in Bayern wahlberechtigten Deutschen. Die mehr als 1,4 Millionen dauerhaft in Bayern lebenden Ausländer blieben außen vor. Die Demoskopen sagen, die Gruppe sei zu heterogen, um bei einer Befragung repräsentative Ergebnisse zu erzielen. Die CSU hat sich mit dieser Aussage zufrieden gegeben.

Ausländische Mitbürger sind eben keine Wähler, sich über deren Befinden zu informieren, lohnt offenbar nicht. Wer es mit Integration wirklich ernst meint, wie führende CSU-Politiker in Sonntagsreden gern betonen, den müsste schon interessieren, welche Sorgen hier lebende Ausländer umtreiben und welche Wünsche und Erwartungen sie an den Staat haben, in dem sie leben, arbeiten und Steuern zahlen. Viele Missverständnisse ließen sich vermeiden, manche Unzufriedenheit oder einfach auch falsches Anspruchsdenken ausräumen.

Nicht alle Vorstellungen werden erfüllbar sein, aber man könnte dann wenigstens erklären warum. Gegenseitige Vorbehalte oder gar Vorurteile könnten auf der Basis einer ordentlichen Datensammlung beseitigt werden. Das offensichtliche Desinteresse der Regierenden in Bayern an solchen Informationen ist ärgerlich und entlarvend zugleich. Das zu ändern, wäre im Sinne einer gelingenden Integration aller Mühen wert.

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