Kommentar von Jürgen Umlauft
Wünsche, Hoffnungen und die harte Realität der Energiewende

Die EU zeigt sich kompromissbereit. Karikatur: Tomicek
Mit dem Abschluss des Energiedialogs ist der Streit um die neuen Stromtrassen endgültig zu einem unwürdigen Schwarzer-Peter-Spiel geworden. Energieministerin Ilse Aigner reicht die ungeliebte Spielkarte mit einem Lächeln an Regierungschef Horst Seehofer weiter, und der wird versuchen, sie SPD-Chef Sigmar Gabriel unterzujubeln. Gemäß dem Motto: Seht her, liebe Bürger, wir haben die Trassen nicht gewollt, aber der böse Wirtschaftsminister in Berlin hat sie uns aufgepresst. Käme es so, wäre es ein abschreckendes Polit-Spektakel.

Die Wahrheit ist nämlich viel komplizierter. "Alles hängt mit Allem zusammen", hat Ilse Aigner zutreffend erkannt. Deshalb ist eine Energiewende, in der sich nur bayerische Interessen durchsetzen, ein Wunschtraum. Genauso wie ein Bayern als Selbstversorger, wenn man es nur ein paar neue Gaskraftwerke bauen ließe. Warum sollten die Nord- und Ostdeutschen mit ihrem billigen Kohle- und Windstrom teure bayerische Gaskraftwerke mitbezahlen, nur um ihre Stromproduktion ins Ausland verschenken zu müssen und den Bayern neue Stromtrassen zu ersparen?

Horst Seehofer hat mit seinem Nein zu den Stromtrassen und mit dem Energiedialog Hoffnungen geweckt, die sich in der Realität kaum erfüllen lassen. Aigner hat die Knackpunkte in ihrem Fazit zum Energiedialog klar benannt. Anders als beispielsweise beim Länderfinanzausgleich ist Bayern in Sachen Energie in keiner optimalen Verhandlungsposition. Je eher Seehofer das erkennt, desto größer sind seine Chancen, in Berlin zumindest Teilerfolge zu erzielen. Den Schwarzen Peter sollte er am besten stecken lassen.

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