Kommentar von Martin Bink
Bei der Milch macht's der Verbraucher

Schon seit Jahren machen sich die Landwirte immer wieder auf ihren Traktoren auf zu Protestzügen durchs Land. Grund: der aus ihrer Sicht viel zu niedrige Milchpreis. Derzeit ist es wieder soweit. Nach Zeiten, in denen der Milchpreis etwas gestiegen ist, liegt er erneut im Keller. Ein Grund ist unter anderem das Einfuhrverbot, das Russland gegen landwirtschaftliche Produkte und Lebensmittel aus dem Westen verhängt hat. Die Bauern werfen den Handelskonzernen vor, das dadurch ausgelöste Überangebot zum Drücken der Preise zu nutzen. Ein geringerer Milchpreis bedeutet für sie geringere Einnahmen. Die Folge: Die Landwirte fürchten um ihre Zukunft und den Fortbestand ihrer Höfe.

Die Milchquote gibt es in der EU nicht mehr. Sie wurde nach Jahrzehnten nicht zuletzt deshalb abgeschafft, weil ihre Wirkung umstritten war. Statt eines Ausgleichs von Angebot und Nachfrage gab es lange Zeit Milchseen und Butterberge. Und der Preis schwankte ebenfalls stark. Deshalb wird der heute wieder zu hörende Ruf nach einem staatlichen oder EU-weiten Eingreifen in den Milchmarkt verhallen, ohne groß Gehör zu finden.

Wie also Abhilfe schaffen und Landwirten eine Perspektive geben? Hier sind wir Verbraucher gefragt. Wenn wir auch künftig eine intakte Landwirtschaft und eine Milchproduktion in der eigenen Region haben wollen, dann müssen wir bereit sein, im Supermarkt oder beim Discounter zehn, zwanzig oder dreißig Cent mehr für den Liter zu bezahlen. Auch wenn wir uns sonst alle über jeden Euro und Cent freuen, den wir nicht ausgeben müssen.

martin.bink@derneuetag.de
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