Kommentar von Martin Bink
Der Schwarze Peter, die schwarze Ilse und St. Nimmerlein

Betreuungsnotstand. Karikatur: Tomicek
Ilse Aigner ist ein ausgebuffter Polit-Profi. Sie merkt, sie kann ein Problem nicht lösen, also schiebt sie es kurzerhand anderen unter. Die Stromtrassen, die Windstrom von Nord nach Süd bringen sollen, haben die Bürger in Bayern ziemlich in Wallung gebracht. Um diese zu beruhigen setzt sie die Leitung mir nichts dir nichts einige Kilometer nach Westen - und schon ist das kein bayerisches, sondern ein hessisches und ein baden-württembergisches Problem.

Für Aigner hat das einen Vorteil. Wenn die grün-rote Landesregierung in Stuttgart und das Bündnis aus CDU und Grünen in Wiesbaden Sturm laufen, dann kann sie sagen: "Schaut her, liebe Bürger in Bayern, nicht einmal die Grünen und die Roten wollen die Trassen." Dass sie außerdem noch der Schwesterpartei in Hessen eine mitgibt, ist nur ein Kollateralschaden. Aber der Atomausstieg - und seine Folgen - sind gesamtdeutsche Aufgaben. Wenn Aigner nun ein Schwarze-Peter-Spiel anfängt, dann ist das ein Spiel auf Zeit. Aber das kennt man ja - beispielsweise von der Suche nach einem Atommüll-Endlager. Da liegt der Stichtag mittlerweile kurz vor oder nach St. Nimmerlein. Man darf gespannt sein, ob die Stromtrasse früher kommt.

martin.bink@derneuetag.de
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