Kommentar von Stefan Zaruba
Abstrakt, aber nicht gebannt: Terror in Deutschland

Krabbeln und Kriechen in Deutschland. Karikatur: Tomicek
Ein "Anschlagsgeschehen" hätten die Sicherheitsbehörden vermutlich verhindert, berichtet der westhessische Polizeipräsident Stefan Müller im Amtsdeutsch. Was man sich darunter vorstellen darf, wenn eine Bombe tatsächlich beim Radrennen gezündet worden wäre, zeigt ein Blick nach Boston. Dort explodierten beim Marathon 2013 zwei Sprengsätze. Drei Menschen starben, mehr als 250 wurden verletzt.

Machen wir uns nichts vor: Es gibt aus Sicht extremistischer Islamisten keinen triftigen Grund, Deutschland nicht zu attackieren. Die Bundesrepublik ist Teil "des Westens", Verbündeter der USA, Partner Israels. Berlin stellt Soldaten für Anti-Terror-Einsätze und liefert Waffen für den Kampf gegen den IS. Zwei US-Soldaten starben 2011 in Frankfurt durch die Kugeln eines Islamisten. Zwischen der oft bemühten "abstrakten" Gefahr und weiteren Terrorakten fehlte bisher nicht viel. Schon vor dem Terrorverdacht von Oberursel scheiterten Pläne für Sprengstoffattentate, etwa die der Sauerland-Gruppe oder der Kofferbomber von Köln. Glück und gute Polizeiarbeit - das muss angesichts häufiger Schelte betont werden - haben schwere Anschläge verhindert.

stefan.zaruba@derneuetag.de
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