Kommentar von Stefan Zaruba
Am Ende sucht nicht Seehofer den Nachfolger, sondern die CSU

Langstrecke. Karikatur: Tomicek
Man mag Horst Seehofer vorhalten, dass er in schwierigem Gelände nicht immer auf gerader Linie fährt. Doch dem CSU-Chef wird einmal niemand nachsagen können, er hätte schwieriges Terrain gemieden. Die Annäherung an Prag, das Beharren auf umstrittenen Positionen zur Energiewende, der Kampf für eine Pkw-Maut und gegen die Phalanx der Widersacher - das packt kein Zauderer an. Die härteste Nuss liegt noch vor dem Ingolstädter: die geordnete Nachfolge an der Spitze von Partei und Staatsregierung.

In Bamberg hat Seehofer einen ersten Schritt unternommen, der nach innen und außen sichtbar sein sollte. Die Frage ist, was genau er mit einem Kompetenzteam bezwecken will. Eine Castingshow ist das letzte, was CSU, Freistaat und Horst Seehofer brauchen. So läuft Politik auch nicht. Kronprinzen reifen heran; Überraschungskandidaten tauchen überraschend auf; zum Zuge kommt bisweilen jemand, der zur rechten Zeit noch übrig ist.

Seehofer dürfte mit dem formalen Rahmen auf einen Zeitgewinn setzen. Ein Kompetenzteam hält ihm scheinbar alle Optionen offen. Die Sache hat nur einen Haken: die Dynamik in einer Partei, die nichts so sehr fürchtet wie Wahlschlappen. Diese schert sich im Zweifel um die Pläne eines amtierenden Vorsitzenden gar nichts.

stefan.zaruba@derneuetag.de
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