Kommentar von Stefan Zaruba
Das Damoklesschwert ist stumpf geworden

Klare Linie. Karikatur: Tomicek
Selten hallt Schweigen so laut durch Europa. Da lässt die Bundesregierung angeblich Athen aus dem Euro-Club ziehen. Und weder Kanzlerin Angela Merkel noch Finanzminister Wolfgang Schäuble diktieren umgehend in die Mikrofone der Weltpresse, dass dies an den Haaren herbeigezogen sei. Dass sich niemand Sorgen machen müsse.

Nun, der Bericht scheint eben nicht an den Haaren herbeigezogen zu sein. Und - anders als früher - bringt die Sorge um einen Euro-Austritt Griechenlands nicht mehr den halben Kontinent um den Schlaf. Das jahrelang baumelnde Damoklesschwert ist stumpf geworden. Die Europäer haben sich besser gewappnet. Die Entwicklung in Griechenland war weit vor dem Jahresende 2014 absehbar. Und auch als Neuwahlen tatsächlich nötig wurden, brach keine Panik an den Märkten aus. Die Risiken einer Eskalation scheinen eingepreist zu sein. So weit der Blick durch die ökonomische Brille. Dramatisch wären die politischen Verwerfungen. Nach einem Bruch mit Athen würden sich wenige als Sieger fühlen. Es gäbe aber bleibende Verletzungen vor allem bei Griechen und Deutschen.

stefan.zaruba@derneuetag.de
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