Kommentar von Stefan Zaruba
Der europäische Alptraum ist noch nicht zu Ende

Weißrussland. Karikatur: Tomicek
Samstagnacht wird sich zeigen, was die Vereinbarungen von Minsk wert sind. Bis dahin darf man ein wenig träumen. Davon, dass das Gemetzel in der Ukraine nach fast fünfeinhalbtausend Toten ein Ende hat. Davon, dass sich die Volksgruppen aussöhnen und eine freie und demokratische Gesellschaft eine wirtschaftliche Blüte in der einstigen Kornkammer des Ostens erlebt. Davon, dass alle Kriegsverbrecher vor Gericht kommen. Dass der Westen und Russland zu einem Vertrauensverhältnis zurückfinden. Und vom Friedensnobelpreis für Angela Merkel.

Nur mag man nach dem monatelangen Alptraum an vieles von dem nicht glauben. Es wäre schon ein Lichtblick, wenn es am Sonntag kein böses Erwachen gäbe - in Form weiterer Kämpfe. Und selbst dann sind die Perspektiven alles andere als traumhaft: Der Ukraine droht nach dem Morden ein Schicksal wie Teilen des Balkans: politische Blockade und wirtschaftliches Siechtum. Wer Blut an den Händen hat, wird gute Chancen haben, sich abzusetzen. Und das Verhältnis zwischen Putins Russland und dem Westen ist nachhaltig gestört. Es dürfte mehr Züge eines Kalten Kriegs zeigen als einer Partnerschaft. Mit Merkels Friedensnobelpreis könnte es trotzdem klappen. Der wird öfter wegen Träumen verliehen, die später platzen.

stefan.zaruba@derneuetag.de
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