Kommentar von Stefan Zaruba
Der Streit um die Stromtrassen bleibt extrem aufgeladen

Schnittstelle. Karikatur: Tomicek
Horst Seehofer und Sigmar Gabriel konnten am Donnerstagabend zufrieden sein. Ihr kurzfristiges Ziel hatten sie erreicht: mit einer Sprachregelung auseinanderzugehen, die beiden hilft, das Gesicht zu wahren. Und vor allem: den Koalitionsfrieden. Der Ministerpräsident hat Zeit gewonnen, doch der Druck bleibt. Seehofer bekommt Schützenhilfe von den Linken und Gegenwind aus der Wirtschaft. Verkehrte Welt.

Die Stromtrassen sind ein zentraler Baustein bei der Neuausrichtung der Energieversorgung. Inmitten der unüberschaubaren Verschränkungen von Zielen und Interessen wirkt die Frage der Masten einfach: aufstellen oder nicht? Im wütenden Protest gegen die "Monstertrassen" steckt dabei mehr als Sorge um die Landschaft und Angst vor Elektrosmog. Nahezu jeder Aspekt der Energiepolitik - vom Klimaschutz über die Risiken der Atomenergie bis hin zur Abhängigkeit von russischem Gas - ist in den Streit um die Leitungen eingeflossen. Das hat die Auseinandersetzung extrem aufgeladen. Schwer vorstellbar, dass sich der emotional geführte Widerstand bei einem Dialogprozess in Wohlgefallen auflöst. Oder dass die Leitungen durch die Überprüfung des Netzausbaus überflüssig werden. Die harten Entscheidungen wurden am Donnerstag nur vertagt.

stefan.zaruba@derneuetag.de
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