Kommentar von Stefan Zaruba
Die erstickte Stimme der russischen Opposition

Kremlmauer. Karikatur: Tomicek
Boris Nemzow fand nicht unter mysteriösen Umständen einen angeblich natürlichen Tod. Er bekam keine radioaktive Substanz heimlich in den Tee geschüttet. Nemzow wurde im Herzen Moskaus niedergeschossen. Wer das tut, will nicht jemanden töten, ohne Aufmerksamkeit zu erregen. Wer im Regierungsviertel mehrfach auf einen Oppositionspolitiker feuert, der setzt damit ein blutiges Zeichen. Die ganze Welt sieht zu. Und wer in der Nähe des Kremls einen Mord auf offener Straße begeht, scheint wenig beeindruckt zu sein von den Sicherheitsbehörden.

Natürlich schießen die Spekulationen über die Auftraggeber ins Kraut. Die Mächtigen Moskaus, ultranationalistische Eiferer, Islamisten, Gesinnungsgenossen Nemzows, die ihn opferten, - die Theorien werden sich noch lange halten. Es steht leider zu befürchten, dass auch dieser Fall nicht aufgeklärt wird.

So ist der Tod Nemzows zuallererst eine Warnung an die Andersdenkenden im Reich des Wladimir Putin. Sie müssen sich einmal mehr als vogelfrei fühlen. Im Klima der Angst erstickt die Stimme der Opposition.

stefan.zaruba@derneuetag.de
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