Kommentar von Stefan Zaruba
Fracking-Beben: Der Regierung fehlt Gespür für Erschütterungen

"... wir arbeiten mit Hochdruck daran!" Karikatur: Tomicek
Die Verantwortlichen der Bundesregierung für den Fracking-Gesetzentwurf holen sich seit Jahren Rat von Geologen. Hätten sie sich mal ein Seismometer geben lassen! Fracking erschüttert Bürger quer durch die Republik und lässt auch Volksvertreter erzittern. In den Ministerien für Umwelt und Wirtschaft scheint man wenig davon gespürt zu haben, dass ein politisches Beben durch die Reihen der Koalition rollt. Auch die Runde am Kabinettstisch war am Mittwoch nicht aus der Ruhe zu bringen.

Der Gesetzentwurf ist durch. Eine Hundertschaft schwarzer und roter Abgeordneter, so heißt es, steht dem entgegen. Politik mit Feingespür geht anders. Viele Entscheider in Berlin sind bei Wahlen unangefochtene Listenführer, andere müssen sich als Spitzenbeamte gar nicht dem Wahlvolk stellen. Sie übersehen, dass der typische Wahlkreis-Abgeordnete die geballte Zukunftsangst der Menschen vor Ort abbekommt.

Der Gesetzentwurf mag fachlich begründet sein. Politisch klug vorbereitet hat ihn die Regierung nicht. Das kann sich für Fracking-Gegner noch als Vorteil erweisen. Die verärgerten Abgeordneten werden nachbohren. Angesichts der breiten Ablehnung im Volk dürfte dieses Gesetz - frei nach Peter Struck - den Bundestag nicht so verlassen, wie es hineinkommt.

stefan.zaruba@derneuetag.de
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