Kommentar von Stefan Zaruba
Große Schritte für die Menschheit - doch die Politik lahmt

Heißluftpistole. Karikatur: Tomicek
Kennedy kündigte in seiner legendären Rede einen irrwitzigen Plan an. Amerikaner würden auf dem Mond landen. Der entscheidende Halbsatz daran war: "... bevor dieses Jahrzehnt endet". Der Zeitrahmen war extrem knapp, die Reputation der Nation stand auf dem Spiel, aber genau das brachte eine Volkswirtschaft und eine Militärmaschinerie in die Spur. Ohne überprüfbare Ziele in nicht allzu ferner Zukunft und ohne einen Plan, diese zu erreichen, drohen Projekte zu scheitern. Gute Vorsätze zum Jahreswechsel sind auch deswegen schnell Schall und Rauch.

Solche Beliebigkeit ist in der Politik die Basis dramatischer Misserfolge. Es war kollektives Versagen, Entwicklungshilfeziele auszugeben, sich zu beklatschen, danach aber die Umsetzung hinauszuzögern. In der Klimapolitik läuft es kaum anders. Großen Ankündigungen folgen Trippelschritte. Schon lästert Angela Merkels Parteifreund Reiner Haseloff über den G7-Klimaplan, dieser hätte auch im Zentralkomitee beschlossen werden können.

Sigmar Gabriel bekommt deutlich zu spüren, wo hehre Wünsche enden und die Wirklichkeit beginnt. Seine Klima-Kohle-Abgabe wackelt. Warum auch nicht? Bis Ende des Jahrhunderts bleibt ja noch Zeit, um die G7-Vorgabe umzusetzen.

stefan.zaruba@derneuetag.de
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