Kommentar von Stefan Zaruba
Richard von Weizsäcker: Vermächtnis für Generationen

Griechische Disziplin. Karikatur: Tomicek
Richard von Weizsäckers Befreiungs-Rede ist 30 Jahre her. Doch sie ist weiter aktuell. Die Schlussstrich-Zieher, die nichts mehr wissen wollen von dem aus Berlin gelenkten Jahrtausendverbrechen, sind nicht weniger geworden. Weizsäcker wusste vielleicht nicht mehr als andere der Erlebnisgeneration, aber er tat nicht so, als hätte er nichts gewusst. Er hatte die Größe, die größte Lebenslüge der jungen Bundesrepublik offen anzusprechen. Er zog einen Schlussstrich: unter die Ära der Geschichtsklitterung.

Mit dem Altbundespräsidenten verliert Deutschland einen lebenserfahrenen Mahner: altersweise, nicht altklug. Seine Standpunkte in politischen Debatten, etwa zum Unterschied zwischen Patriotismus und Nationalismus und dem Selbstverständnis der Parteien, sind in Stein gemeißelt. Richard von Weizsäckers Wirken endet nicht mit seinem Tod. Das ist das Vermächtnis eines großen Staatsmanns.

stefan.zaruba@derneuetag.de
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