Kommentar von Stefan Zaruba
Stimmen und Stimmungen: Was nach Bremen bleibt

... und jetzt noch Muttertagsstreik. Karikatur: Tomicek
Die Glaubwürdigkeit von Politikern steigt nicht in dem Maße, in dem sie versuchen, unschöne Wahlergebnisse schönzureden. Die SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi plauderte am Sonntagabend munter drauflos, wie potent die Sozialdemokraten in den Ländern seien. Gar froh sei man unterm Strich über den Ausgang in Bremen. Solche Weichspülerei harter Fakten ist einer der Gründe dafür, dass sich Bürger von der Politikshow gleich ganz verabschieden. So gab in Bremen nur jeder Zweite seine Stimme ab.

Dabei wäre es eigentlich auch nicht nötig, am Abschneiden im Winz-Bundesland Bremen groß herumzudeuten. Direkte Schlüsse von Ergebnissen im hoch verschuldeten Stadtstaat auf die Bundespolitik sind kaum belastbarer als Orakelsprüche. Eine feierliche Wiederkehr der FDP im Bund ist ebenso wenig ausgemacht wie eine flächendeckende, massive Erosion von SPD und Grünen.

Und doch könnte der Bremer Wahlabend Einfluss auf die Bundespolitik nehmen: durch Überreaktionen der Berliner Koalitionspartner. Hier eine SPD, die den Ruch des Absteigers fürchtet, dort eine Union, die sich beflügelt fühlt und das auch zeigen will. Beide könnten umso stärker versuchen, ihre Klientel zu bedienen. Das Klima in der Großen Koalition dürfte dann noch rauer werden.

stefan.zaruba@derneuetag.de
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