Kommentar von Stefan Zaruba
Zurück in die Zukunft: Kuba, Europa und der Kalte Krieg

Amerikanische Friedenspfeifen. Karikatur: Tomicek
Das Verhältnis zwischen Kuba und den USA wirkte zuletzt wie aus der Zeit gefallen. Amerikaner können noch nicht ohne Weiteres auf die Insel reisen, Kuba steht auf der Liste der Terrorunterstützer. Das deutsche Fernsehpublikum durfte sich im vergangenen Jahr dagegen mit seichter Unterhaltung aus der Karibik berieseln lassen: Vor Bohlen & Co. trällerten die Bewerber bei "Deutschland sucht den Superstar" in Havanna.

Rum, Zigarren, Traumstrände, und alles zum Schnäppchenpreis. Früher oder später werden sich - wie schon vor Castros Revolution - auch US-Bürger all dem auf Kuba uneingeschränkt hingeben können. So wie umgekehrt die Kubaner mehr Freiheiten genießen dürfen. Der Handschlag zwischen Barack Obama und Raúl Castro mag locker gewirkt haben, aber er kam weder spontan noch unkalkuliert. Beide Länder haben handfeste wirtschaftliche Interessen, ihr Verhältnis zu normalisieren. Aus europäischer Sicht wirkt die Entwicklung wie ein Blick zurück in die eigene Geschichte, wo vor einem Vierteljahrhundert der Kalte Krieg endete. Ein wehmütiger Blick zurück, denn es war eine Befreiung. Heute steuert Europa erneut auf Konfrontationen zu.

stefan.zaruba@derneuetag.de
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