Kommentar von Thomas Kosarew
Der Verein im Verein

Sportlich könnte es für den FC Amberg kaum besser laufen: Zwölf Siege und zwei Unentschieden aus den letzten 14 Spielen, einziger Verfolger von Bayernliga-Spitzenreiter Viktoria Aschaffenburg und den Regionalliga-Aufstieg so greifbar nahe wie noch nie. Zur Erinnerung: Vor drei Jahren kickte der FC noch zwei Klassen tiefer in der Bezirksoberliga. Seitdem hat der Verein eine jahrelang nicht für möglich gehaltene Entwicklung genommen. Mit Timo Rost sitzt ein ehemaliger Bundesliga-Profi auf der Trainerbank, Spieler wie Kai Hempel wechselten vom mecklenburgischen Viertligisten Neustrelitz nach Amberg, und Vorstandsvorsitzender Helmut Schweiger weiß gleich vier Vorstandskollegen um sich, die für die Bereiche Geschäftsführung, Sport, Marketing und Jugend verantwortlich sind. Das sind Strukturen, wie sie der FC Amberg noch nie hatte und die fast schon denen von Zweit- oder Drittligisten ähneln.

Rein rechtlich betrachtet ist der Fußball-Club jedoch nicht mehr als eine von 15 Sparten des Gesamtvereins TV 1861 Amberg. Unter dessen Obhut hatten sich die Kicker 1997 begeben, als der renommierte 1. FC Amberg die finanzielle Grätsche gemacht hatte. Sollte die Staatsanwaltschaft nun tatsächlich Anhaltspunkte für nicht gezahlte Sozialabgaben, Schwarzarbeit oder Steuerhinterziehung finden, wird es für die Juristen sicher nicht einfach, die Haftungsfrage zu klären. Zwar trägt der Gesamtvorstand um Thomas Bärthlein auch die finanzielle Verantwortung, doch de facto agiert der FC finanziell eigenständig. Genau genommen war es nur eine Frage der Zeit, bis dieses Konstrukt zu Schwierigkeiten führt - selbst, wenn alles korrekt abgelaufen sein sollte. Die Ausgliederung des FC aus dem TV ist nicht nur ein Gedanke, sie ist längst überfällig.
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