Kommentar von Thomas Kosarew
Konstruierte Fast-Skandale

"Wir hatten schon viele Pressekonferenzen, selten haben sie mich so freudig gesehen", sagte OB Michael Cerny zu Beginn. Lars Missing (links) und Nicoletta Erlemann von Hotel.de überreichten offiziell die Auszeichnung zur lebens- und liebenswertesten Stadt Deutschlands. Bild: Huber
Deutlich mehr als 1000 Mitglieder, ein Überschuss von 70 000 Euro, 14 000 Euro auf dem Baukonto, Spenden über 90 000 Euro und ein 400 000 Euro teurer Neubau, der Dank der Zuschüsse aus Stadt und Landkreis im Prinzip nur 3000 Euro aus der eigenen Tasche gekostet hat: Sehr viele Vereine würden sich ihre Finger bis zu beiden Schultereckgelenken lecken, wenn sie auch nur annähernd vergleichbare Voraussetzungen hätten.

Was aber macht ein - zugegebenermaßen - relativ überschaubarer Teil der selbst ernannten Tierliebhaber? Er ergeht sich in Streit, Misstrauen, Aggressionen, Missgunst, Abneigung und völlig aus der Luft gegriffenen falschen Verdächtigungen. Wo der Ehrgeiz beginnt, sich im Verein zu engagieren, setzt der Verstand offensichtlich manchmal aus. Wie bei den angeblich fehlenden 80 000 Euro. Ein weiteres Beispiel: Die ehemalige Stadträtin Elke Schlatmann-Wellnhofer rühmte sich damit, genau zu wissen, warum die Gewerbebau von ihrem außerordentlichen Kündigungsrecht Gebrauch gemacht und dem Tierschutzverein den Rücken gekehrt hat. Nur mitteilen dürfe sie das nicht. Geheimsache. Versteht sich. Hauptsache, der Eindruck eines Fast-Skandals ist erweckt und die ohnehin aufgeheizte Stimmung noch weiter auf die Spitze getrieben.

Noch schlimmer wiegt aber der Entschluss der Kandidaten, sich für die einzelnen Ämter nicht mehr zu bewerben, nur weil ihr Favorit nicht Vorsitzender geworden ist. Damit überführen sich alle, die immer betont haben, es gehe ihnen ausschließlich um das Wohl der Tiere. Es geht sehr wohl um Menschen. Nur um Menschen - und deren Befindlichkeiten. Einen eindrucksvolleren Beweis hätten die Unterlegenen am Donnerstag gar nicht liefern können.
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