Kommentar von Thomas Kosarew
Mit Herz

und Verstand

Der Tierschutzverein kommt aus den Schlagzeilen nicht heraus. Dieses Mal ist ihm etwas gelungen, um das ihn viele andere Gruppierungen beneiden: Das Interesse der Mitglieder ist so groß, dass das Veranstaltungslokal zu klein wird. Das ist kein Skandal. Hätte der Vorstand von vornherein das ACC gebucht, wären ihm Größenwahnsinn und Verschwendung unterstellt worden.

Rund vier Monate nach dem Rücktritt des Vorsitzenden kommt es auf vier weitere Wochen nun auch nicht mehr an. Wichtig ist jetzt nur, dass der Verstand in Zukunft ebenso gehört wird wie das Herz. Machbar ist Tierschutz aber nur, wenn auch die Finanzen stimmen. Dafür braucht es einen Experten, einen Betriebswirt, der Bilanzen lesen und mit Geld umgehen kann. Auf diesem Gebiet hat der Verein fast schon traditionell Defizite.

thomas.kosarew@zeitung.org

Nachgefragt

Viele Depressive oder nur gute Ärzte?

Amberg. (ll) Sind die Amberger besonders depressiv? Ein klares Ja legt der Depressionsatlas 2015 der Techniker-Krankenkasse (TK) als Antwort nahe (wir berichteten). Während ein Erwerbstätiger in Bayern statistisch 0,9 Tage im Jahr wegen Depression krankgeschrieben sei, weise Amberg mit dem Kreis Regen (Niederbayern) mit zwei Tagen pro Kopf "die höchsten Fehlzeiten im Freistaat" auf, steht dort. "Amberg und Regen am depressivsten" wird daraus in der Überschrift.

Den Schluss, dass in Amberg mehr Menschen unter Depressionen leiden als anderswo, geben aber laut Dr. Roland Brey diese Zahlen nicht her. Der Leiter des Gesundheitsamtes verweist darauf, dass die TK in der Studie die Daten ihrer eigenen Versicherten auswertet. Der Anteil von berufstätigen TK-Mitgliedern an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten liege bundesweit bei 13,7 Prozent. In Bayern sind es laut TK-Pressesprecher Stephan Mayer 10,5 Prozent. Für Amberg konnte er die Quote nicht nennen, die Grenze von 1000 "Versichertenjahren", mit der das Ergebnis als abgesichert gelte, sei aber überschritten worden.

Auf dieser Basis ist aber für Brey "ein Rückschluss auf die gesamte Bevölkerung nicht zulässig". Bei diesen relativ niedrigen Zahlen könnten Unterschiede in der ärztlichen Versorgung (in Amberg sind einige Psychiater tätig) schnell zu statistischen Ausreißern führen. Also etwa einzelne Ärzte, die die Diagnose besonders oft stellen. Dann bedeuteten die Zahlen möglicherweise nur, dass die Ärzte in Amberg das Krankheitsbild besser erkennen. Und das kann laut Brey auch positiv gesehen werden kann, "weil dann die Chance besteht, dass die Erkrankung kompetent, richtig therapiert wird".
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