Kommentar von Thomas Kosarew
Von der Hand in den Mund

Die Regierung der Oberpfalz steckt in einem Dilemma. Sie entscheidet über die Verteilung und Unterbringung der Flüchtlinge und muss entsprechend planen. Doch das ist genau genommen unmöglich. Kein Mensch weiß, wann und wo wie viele Kinder, Frauen und Männer aus den Kriegs- und Krisengebieten der Welt in unseren Breitengraden auf der Bildfläche erscheinen. Ihnen allen soll und muss geholfen werden. Am besten möglichst unbürokratisch. Doch das geht nur, wenn die erforderlichen Unterkünfte zur Verfügung stehen. Und genau an dieser Stelle beginnt das Problem. Auch in der Oberpfalz. Auch in der Stadt und im Landkreis Amberg-Sulzbach.

Die erste Anlaufstelle in der Regensburger Pionierkaserne ist mit aktuell 379 Bewohnern voll und die Bajuwarenkaserne in der Bezirkshauptstadt frühestens Ende nächsten Jahres räumlich in der Lage, den in einem Notfallplan angenommenen Bedarf von bis zu 800 Plätzen zu decken. Diese Aufnahmegebäude des Bezirks bekommen ab nächster Woche in der Neumarkter Delphi-Halle eine Art Außenstelle für etwa 300 Neuankömmlinge. Da ist es nur logisch, dass sich Amberg als eine von drei kreisfreien Städten beteiligt. In ihrer Mitteilung gehen Stadt und Land noch nicht von einer konkreten Zahl aus und wissen auch nicht, ab wann und wie lange sich die Flüchtlinge in der Adalbert-Stifter-Straße aufhalten könnten, bevor die nächsten Asylbewerber erscheinen. Wenn sie denn überhaupt kommen.

Da ist es wieder, das Problem des Bezirks und damit der Kommunen. Sie müssen sich selbst dann überraschen lassen, wenn es um Glauben, Nationalität und Familienstatus geht. Einen traumatisierten Schiiten in einer unter Todesangst geflohenen sunnitischen Familie unterzubringen, wäre ein grober Fehler, obwohl alle Beteiligten zum Beispiel aus Syrien stammen. Doch was tun, wenn nur eine Unterkunft frei ist? Der Bezirk kann sich drehen und wenden, wie er will: Er lebt zwangsläufig von der Hand in den Mund. Auch hier bei uns in Amberg. Am besten wäre es, wenn wir damit nicht leben müssen. Sondern wollen.



Zitat des Tages

"Nach dem Brandschutzgutachten entscheiden wir, ob wir's können und wollen. Ob wir's überhaupt anbieten." Harald Herrle, persönlicher Referent des Landrats, über das mögliche Flüchtlings-Quartier in der Adalbert-Stifter-Straße (tk)
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