Kommentar von Tobias Schwarzmeier
Es darf nicht mehr um die Kohle gehen

"Ich fürchte, es ist nicht der Weihnachtsmann ..." Karikatur: Tomicek
Was bedeuten noble Umweltschutzziele, wenn sie beliebig um Jahre verschoben oder durch Sonderregelungen und Schlupflöcher aufgeweicht und damit karikiert werden können? Wenn es um den Klimaschutz geht, waren Beschlüsse und Initiativen national wie international in der Vergangenheit oft das Papier nicht wert, auf dem sie festgeschrieben waren.

Auch jetzt ist der Ansatz im neuen Kohle-Gesetz von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) halbherzig. Die Stromerzeuger haben freie Hand, wie sie bis 2020 rund 22 Millionen Tonnen Kohlendioxid einsparen. Ein Schritt in die richtige Richtung, sicher. Aber mit fragwürdiger Nachhaltigkeit. Wieder traut sich die Politik nicht an die heilige Kuh heran, die veralteten, aber noch rentablen Kohlekraftwerke stillzulegen.

Die Energieriesen können abwarten und wenn nötig kreativ in ihrem Kraftwerkspark mit Emissionsmengen jonglieren. Ob dabei auch nur eine der Anlagen mit hohem CO2-Ausstoß vom Netz muss, bleibt offen.

Dies erklärt auch die "freundlich-zurückhaltende" Reaktion der Betreiber. Diese ist kaum als positives Zeichen zu werten. Denn die gezeigte Gelassenheit entspringt vermutlich weniger dem Sinneswandel, nun effektiv Klimaschutz betreiben zu wollen, als der Gewissheit, wieder davongekommen zu sein.

tobias.schwarzmeier@derneuetag.de
Weitere Beiträge zu den Themen: Kommentare (5732)November 2014 (8193)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.