Kommentar von Tobias Schwarzmeier
Kapitän sucht Crew: Seehofer will Opposition ins Boot holen

Die Flüchtlingsschiffe bleiben gefüllt. Auch in den kommenden Wintermonaten wird die Zahl der aus Krisengebieten geflohenen Menschen nicht geringer werden. Die Verzweifelten gehen weiter das - nun von Tag zu Tag steigende - Risiko ein, in bedenklichen Kähnen über das aufgewühlte Mittelmeer zu fliehen.

Auch die Stimmung in der deutschen Bevölkerung ist aufgewühlt, warnt Horst Seehofer. Angesichts von derzeit 117 000 Migranten in Bayern und Tausenden, die pro Tag dazukommen, will der bayerische Ministerpräsident ein bundesweites Signal setzen. Für eine Begrenzung der Flüchtlingszahlen.

Fakt ist: Die Umsetzung des Königssteiner Schlüssels greift noch nicht. Der Freistaat mit seinen Institutionen und den vielen Helfern trägt damit weiter eine unvermindert hohe Last. Eine gerechtere Verteilung der Flüchtlinge auf die Bundesländer ist zweifellos ebenso nötig wie anschließende nachhaltige Integrationskonzepte.

Mit der Schwesterpartei CDU uneins und wegen seines Kurses kritisiert, versucht Seehofer nun als Unterstützung die Landtagsopposition in sein zuletzt nicht stark bemanntes Boot zu holen. Ein gemeinsames "In-die-Riemen-legen" im Freistaat, um den Flüchtlingsstrom in die richtigen Kanäle zu lenken.

Doch ein bayerischer Schulterschluss wird für das erhoffte Signal nicht ausreichen. Die Krise ist keine bayerische, auch keine deutsche. Europa als Ganzes muss endlich Zeichen setzen. Während Seehofer im eigenen Bundesland Mitstreiter sucht und Länder wie Deutschland helfen, schauen zu viele Staaten weg. So lässt sich die Verteilung der Flüchtlinge sicher nicht sinnvoll regeln - von Begrenzung ganz zu schweigen.

tobias.schwarzmeier@derneuetag.de
Weitere Beiträge zu den Themen: Kommentare (5736)Oktober 2015 (8435)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.