Kommentar von Tobias Schwarzmeier
Keine "Panda-Knuddler": Ritterschlag vom Geächteten

Hase und Igel. Karikatur: Tomicek
Deutsche Politiker müssen nach Auftritten auf internationaler Bühne zu Hause oft Prügel einstecken. Ob bei den Abhörmethoden der NSA, der Situation in der Ukraine oder der Einhaltung der Menschenrechte in der Türkei - die Deutschen als besonders kritisches Volk werfen ihren Vertretern gerne vor, wegen eigener Interessen mit den betreffenden Regierungen mehr als diplomatisch nötig auf Schmusekurs zu gehen.

Der Besuch von Ai Weiwei in München und Berlin bei seiner ersten erlaubten Auslandsreise nach vier Jahren rückt dieses Bild wieder etwas gerade. Der unbequeme chinesische Regimegegner schickte vor Jahren seine Frau und seinen kleinen Sohn nach Deutschland - wo er sie in Sicherheit wusste. Ein Vertrauensbeweis. Während die britische Regierung nun einen längeren Aufenthalt des Künstlers mit der fragwürdigen Gleichsetzung von politischem Engagement und kriminellen Handlungen unterbindet, wird er bei uns offiziell mit medialem Interesse empfangen.

Die moralische Substanz eines Staates zeigt sich von jeher darin, wie er Dissidenten und generell Menschen mit vom Mainstream abweichenden Meinungen behandelt. Durch ihre Augen gesehen offenbart sich eine wirklichkeitsnahe Außenwirkung eines Landes. Zumindest im Fall Ai Weiwei haben die deutschen Repräsentanten bewiesen, dass sie keine "Panda-Knuddler" sind.

tobias.schwarzmeier@derneuetag.de
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