Kommentar von Tobias Schwarzmeier
Nutzer als bessere Task-Force gegen Hass im Netz

Facebook ist nicht das richtige Leben. So scheint es seit Wochen. Unzählige Nutzer - bis teilweise hinein in die eigenen Freundeskreise - schockieren mit fremdenfeindlichen Gedanken, die sie im Bus oder beim Bäcker so wohl nie äußern würden. Täglich wird man auf der Kommunikationsplattform mit Alltagsrassismus, offenen Hasstiraden oder gar mit Aufrufen zum "Handeln" konfrontiert. Die Hemmschwelle ist niedrig.

Ein Umdenken bei Facebook ist überfällig. Der neue Ansatz reicht aber lange nicht aus. Falsche Nutzerprofile, mit denen methodisch gehetzt wird, oder verschleierte Propaganda, die unterschwellig Neid und Ressentiments gegen alles Fremde schürt, werden weiter schwer greifbar sein. Das passive Selbstverständnis des Internet-Riesen muss sich ändern, will er ernsthaft gegensteuern.

Auch ist die Facebook-Gemeinschaft selbst gefragt. Zugegeben: Die Dauer-Konfrontation ist mühsam. Anfangs war man noch versucht, jede bedenkliche These mit Fakten zu widerlegen. Irgendwann wird das aber jedem "Gutmenschen" zu viel. Doch in der Masse lässt sich etwas bewegen.

Hetzer - vom "besorgten Bürger" bis hin zum Neonazi - gehören bloßgestellt. Geschäftsleute bangen so um Glaubwürdigkeit - und echte Partner und Aufträge. Arbeitnehmer, weil sie dem Image ihrer Firma schaden, um ihren Job. Auch gab es bereits juristische Nachspiele.

Facebook hat eine Chance, den Hass einzudämmen. Menschen, die im Netz fremdenfeindlichen Schmutz verbreiten, müssen spüren, dass ihre Aussagen Konsequenzen haben. Im ganz realen Leben.

tobias.schwarzmeier@derneuetag.de
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