Kommentar von Wolfgang Houschka
Zeugen haben zu erscheinen

Schlägerei am Steinberger See, viele Ungereimtheiten und deswegen ein Heer geladener Zeugen. Einer von ihnen war Akademiker und Arzt von Beruf, sollte auf Wunsch eines Verteidigers am vierten und letzten Prozesstag vor dem Amtsgericht erscheinen. Zuvor telefonierte die Richterin mit ihm und erfuhr sinngemäß von dem Mediziner, er sei sehr beschäftigt und habe höchstwahrscheinlich in den nächsten Wochen keine Zeit, um vor Gericht zu erscheinen.

Auf den Zeugen wurde dann zwar im allgemeinen Einvernehmen verzichtet. Doch erhob sich dennoch die Frage: Kann sich ein Arzt heraussuchen, ob er kommt oder nicht? Wenn jedem anderen mit der polizeilichen Vorführung gedroht wird, hätte das auch in diesem Fall geschehen müssen. Sonst ergibt sich ein Zwei-Klassen-System: Der eine hat zu erscheinen und der andere, weil angeblich sehr beschäftigt, kann selbst entscheiden.

Die Justiz soll Wahrheit finden und Recht sprechen. Von daher steht ihr zu, Zeugen vorzuladen. Eine Absage kann es da nicht geben. Egal, ob es sich um Arbeiter oder Akademiker handelt.
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