Kommentar zu Deutsch in der Familie
CSU noch ohne Familien-Sprache

CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer spricht Deutsch. Trotzdem verstehen ihn nur wenige. Sprache - das ist nicht nur die Aneinanderreihung von Wörtern. Sprache - das ist auch eine Botschaft. Scheuer wies die Kritik an der Forderung, Migranten sollten auch daheim im Wohnzimmer Deutsch sprechen müssen, auch am Montagvormittag noch barsch zurück. Diese sei an den Haaren herbeigezogen. Wenig Stunden später waren diese Worte kaum mehr der Rede wert.

Noch haarsträubender als der Umgang mit der Kritik ist im Prinzip die Idee selbst. Wie realitätsfremd der Vorschlag ist, zeigt folgende Überlegung: Sollen künftig die Familien von US-Soldaten, wenn sie in Grafenwöhr stationiert sind, Oberpfälzisch sprechen? Kaum vorstellbar. Der maximale Spott über den Vorschlag zeigt: Beim Versuch, Stammtisch-Gästen nach dem Mund zu reden, hat sich die CSU ordentlich den Mund verbrannt.

Einen Maulkorb hat sich die Partei zwar nicht verpassen lassen. Sie gibt sich allerdings kleinlaut - wenn auch eher halbherzig. Sprache ist für Integration das Allerwichtigste, heißt es nun. Eine Feststellung, der kaum jemand widersprechen würde. So will die CSU nun verstanden werden. Warum aber dann überhaupt diese Forderung? Möglicherweise muss sich auch die CSU-Familie erst noch auf eine einheitliche Sprache festlegen.

alexander.raedle@derneuetag.de
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