Kommentar zum Eurovision Song Contest
Alles, nur nicht belanglos

Alle Jahre wieder. Nach jedem Eurovision-Song-Contest fühlen sich Massen selbst ernannter Musikkritiker im Netz genötigt, den Traditionswettbewerb in Grund und Boden zu schreiben. Der übliche Tenor: Die Songs und Interpreten sind grottig, das Wertungssystem ungerecht und der Wettbewerb an sich überflüssig.

Über Qualität lässt sich streiten, aber spätestens beim letzten Punkt irren die Möchtegern-Rezensenten. Denn der Abend des toleranten Miteinanders ist eines sicher nicht - belanglos. Schon immer hatte der Länderwettstreit eine wirkungsvolle (gesellschafts-) politische Komponente. Vom Friedenslied Nicoles über jenen hebräischen Beitrag, in dem ein einziges arabisches Wort ein Ausrufezeichen setzte, bis hin zur bärtigen Conchita - die Botschaft war oft wichtiger als die Komposition.

Musik war in jedem Zeitalter ein Mittel, auf Missstände hinzuweisen und dabei die Kritik gleichzeitig für Zensoren schwer angreifbar zu machen. Auch Jamala hat dies beim ESC elegant genutzt. Die kriegsgebeutelte Ukraine jubelt, Putin schäumt und am wichtigsten: Es wird überall über den vielfach verdrängten Konflikt geredet. Der ESC hat wieder einmal seine Aufgabe erfüllt.
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