Kränze, Kerzen und Klausen - Auch Angebot der Weihnachtsmärkte widerspiegelt Traditionspflege
Brauchtumsreiche Adventszeit

Volkstümliche Bräuche und christliche Andacht sind seit Jahrhunderten prägende Elemente der Vorweihnachtszeit. Mit dem Advent beginnt das Kirchenjahr und gleichzeitig die religiöse Vorbereitung auf die Ankunft Christi in der Welt.

Gleichzeitig werden aber, vor allem im bayerischen und alemannischen Raum, eine Fülle von Sitten und Gebräuchen belebt, die inzwischen der Adventszeit ihre typische Gestalt gegeben haben. Große und kleine Adventskränze sieht man überall, Kinder zählen sich mit Hilfe der 24 Türchen im Adventskalender dem Christkind entgegen, im morgendlichen Dunkel der Adventstage finden immer noch die täglichen Engelämter statt, die sogenannten Roraten.

Ursprünge

Der christliche Ursprung der Adventsliturgie geht auf Papst Gregor den Großen (540-604) zurück, der im 6. Jahrhundert erstmals die Zahl der Adventssonntage auf vier festlegte. Die vier Wochen vor dem Weihnachtsfest sollten symbolisch auf die 4000 Jahre hinweisen, die die Menschheit nach kirchlicher Rechnung auf die Ankunft des Erlösers warten musste. Im 13. Jahrhundert war es dann der Franziskanerorden, der zur weiten Verbreitung der römischen Adventsliturgie beitrug.

Mailand 6 Wochen

Heute gilt die vierwöchige Adventszeit für die gesamte katholische Kirche mit Ausnahme im Erzbistum Mailand. Dort dauert die Adventszeit seit jeher sechs Wochen.

Zum Symbol der Vorweihnachtszeit ist der Adventskranz mit seinen vier Kerzen geworden. Er wurde von dem evangelischen Theologen Johann Wichern (1808-1881) "erfunden", der im Jahr 1831 in Norddeutschland für eine Andacht erstmals kranzförmig Wachskerzen aufgestellt haben soll. Es dauerte bis zum Jahr 1925, bis erstmals auch in einer katholischen Kirche in Köln ein Adventskranz aufgehängt wurde. Heute gilt beiden christlichen Kirchen das Licht der Kerzen als Symbol für die Hoffnung gegen die Dunkelheit.

Der erste Adventskalender wird aus dem Jahr 1851 beschrieben. Der schwäbische Pfarrerssohn Gerhard Lang (1881-1974) aus Maulbronn soll von seiner Mutter einen selbst gemalten Kalender mit 24 Kästchen erhalten haben. Nach 1900 wurden nach diesem Vorbild die noch fensterlosen Kalender serienmäßig gedruckt. Etwa 20 Jahre später entwickelte Lang die Bilderbögen mit den Fensterchen.

Die heute so beliebten Schokolade-Adventskalender mit den süßen Überraschungenhinter den Türchen gab es erst ab 1960.

Zwei wichtige Feiertage stehen am Anfang der Adventszeit: das Patrozinium der heiligen Barbara am 4. Dezember und der Nikolaustag am 6. Dezember. Um beide Personen ranken sich facettenreiche Legenden. Barbara soll, nachdem sie in römischer Zeit Christin geworden war, von ihrem Vater angezeigt worden sein und musste für ihren Glauben sterben.

Ihr Vater soll nach dem Verrat vom Blitz erschlagen worden sein. Nikolaus soll mildtätiger Bischof von Myra an der Mittelmeerküste gewesen sein. Gesicherte historische Daten gibt es über diese Figur aber nicht.

In Oberstdorf und in Illerbeuren bei Memmingen verwandeln sichBurschen alljährlich am Barbara- und Nikolaustag in Furcht erregende Dämonen, die Klausen. Sie tragen zottige Felle, Kuhhäute und Schaffelle, und ziehen mit Kuhglocken lärmend durch den Ort. Sie betteln um kleine Gaben und erschrecken mit ihrem wilden Aussehen und der hüpfenden Gangart.

Barbarazweige

Besonders bekannt und bis heute verbreitet ist in Bayern zur Adventszeit das Ritual um den Barbarazweig. Ein Obstzweig wird am 4. Dezember geschnitten und in der geheizten Stube aufgestellt. Blüht der Zweig pünktlich am Heiligen Abend gilt dies als ein Glückszeichen. Am besten eignen sich dafür Kirschzweige, die von Natur aus früh blühen.

Die Barbarazweige galten früher als Liebesorakel. Die Mädchen bezeichneten verschiedene Zweige mit den Namen ihrer Verehrer. Derjenige sollte dann der Bräutigam werden, dessen Zweig als erster erblühte. So war die vom Fasten und Beten geprägte Adventszeit immer wieder durch weltliche und bäuerliche Bräuche aufgelockert. (dpa)
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