Krankenhaus-Strukturreform: Mehr in die Pflege investieren

"Berlin will Kliniken auf Qualität trimmen":

Ich selbst bin examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin und muss mir Luft machen. Bei der neuen Krankenhaus-Strukturreform wird davon gesprochen, ein neues Qualitätsmanagement für 2000 Krankenhäuser in Deutschland einzuführen, zum Wohle des Patienten. Die Kliniken haben bei hoher Qualität mit Zuschlägen, bei geringerer Qualität mit Abschlägen zu rechnen.

Wer definiert gute und weniger gute Qualität? Vielleicht die Krankenkassen, die den Kliniken die Luft zum Atmen nehmen? Die Krankenkassen vergüten die Aufenthaltstage des Patienten nur zu einem Teil, weil sie denken, dass z. B. eine 88-jährige Patientin genauso schnell wieder fit sein muss wie ein 50-jähriger Patient mit der gleichen Diagnose. Dass die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) gegen die neue Krankenhausstrukturreform protestiert und "viel Etikettenschwindel" darin sieht, damit steht die DKG nicht alleine da. Es werden in der öffentlichen Diskussion meist nur reißerische Zahlen genannt. Das beste Beispiel sind die 660 Millionen Euro für die Personalquote in der Pflege. Diese Summe ist für 2000 Kliniken auf drei Jahre ausgelegt. Mal rechnen: Für unser Haus würde dies pro Jahr genau eine Vollkraft bedeuten. Jede Station im Klinikum würde im Jahr 88 Stunden entlastet. Dies ist lächerlich ist und eine Frechheit gegenüber den Pflegekräften.

Es wird hohe Qualität in den Kliniken verlangt: Dann sollte man mehr in die Pflege investieren. Dies ist eine Berufsgruppe die nur mit Kosten in Verbindung gebracht wird. In Bayern versucht man vehement, die Pflegekammer zu verhindern. Eine Pflegekammer? Warum auch, wir haben doch schon so viele Kammern. Politik und Medien ist oft nicht einmal der Unterschied zwischen examinierten Pflegekräften, Krankenpflegehelfern und Betreuungs-Assistenten bekannt. Dann sollte man lieber nichts sagen oder berichten.

Marion Ziegler, 92637 Weiden
Weitere Beiträge zu den Themen: Juli 2015 (8669)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.