Kritik an der Berichterstattung über Flugzeugabsturz

Zur Rolle der Medien beim Flugzeugabsturz von Germanwings:

"Die Würde des Menschen ist unantastbar." So steht es zumindest im Artikel 1 des Grundgesetzes geschrieben. Sie ist das höchste Rechtsgut unserer Gesellschaftsordnung. Im Pressekodex des Presserates sind im Detail die Maßstäbe aufgeführt, welche man im Rahmen der Pressefreiheit und der zu wahrenden Berufsethik von einem seriösen Journalismus erwarten darf.

Das dem nicht immer so ist, beweisen alltäglich die unseriösen Boulevard-Gazetten. Ein Musterbeispiel für diesen sensationsgierigen Journalismus war und ist die Berichterstattung im Zusammenhang mit dem Germanwings-Absturz.

Es steht außer Frage, dass die Opfer und die Öffentlichkeit das Recht haben, mit der gebotenen Sorgfalt über das schreckliche Ereignis informiert zu werden. Muss man uns dazu aber das Gesicht des Germanwings-Copiloten zeigen? Dessen Abbild wird noch mit Begriffen wie "Amok-Pilot" untermauert. Die Zielsetzung ist eindeutig; der Pilot soll als Bestie dargestellt werden. Kaum war der Name des Piloten bekannt, sind die von der Sensationsgier getrieben "Journalisten" rudelweise in Montabaur, dem Wohnort der Eltern des Copiloten, eingefallen. Ihnen, durch den Tod ihres Sohnes und dessen schreckliche Tat schon hinreichend gestraft, wurde rücksichtslos weiteres Leid zugefügt.

Auch gegenüber den Trauernden in Haltern hat man sich pietätslos aufgeführt. Der Schüler Mika Baumeister hat in einem Blogeintrag das würdelose Verhalten der voyeuristischen Presse zum Ausdruck gebracht und dafür viel Zustimmung erhalten. Nur seitens der gescholtenen Presse blieb eine Entschuldigung aus.

Gerhard Steller, 92637 Weiden
Weitere Beiträge zu den Themen: April 2015 (8563)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.