Kritik an Oscarverleihung wächst
Schwarzer Wirbel um Weiße Oscars

Unter Tränen nimmt die US-Schauspielerin Halle Berry bei der 74. Oscar-Verleihung 2002 einen Oscar entgegen. Archivbild: dpa

Die Oscars sind zu weiß - und damit ein rotes Tuch, nicht nur für schwarze Stars. Wieder sind alle Kandidaten in den Schauspielkategorien Weiße, Afroamerikaner haben in Hollywood das Nachsehen. Die Kritik wächst.

Los Angeles. "Black is beautiful" war der Tenor der 74. Oscar-Verleihung mit einem dreifachen Triumph schwarzer Stars: Als erste Afroamerikanerin überhaupt gewann damals Halle Berry ("Monster's Ball") den Oscar als beste Hauptdarstellerin. Denzel Washington wurde als bester männlicher Schauspieler gefeiert, Alt-Star Sidney Poitier für sein Lebenswerk mit einem Ehren-Oscar ausgezeichnet.

Doch das ist 14 Jahre her. Bei der diesjährigen Oscar-Verleihung Ende Februar wird sich kein schwarzer Darsteller einen Preis abholen. Denn zum zweiten Mal in Folge wurden 20 weiße und überhaupt keine afroamerikanischen Schauspieler nominiert.

Halle Berry, die sich damals unter Tränen bedankte, glaubte noch: "Die heutige Nacht hat eine Tür aufgestoßen." Doch davon ist nicht viel geblieben, die Filmakademie ist mehr denn je unter Beschuss. Unter dem Twitter-Hashtag #OscarsSoWhite wächst die Entrüstung. Schwarze und weiße Stars wie George Clooney, Michael Moore, Spike Lee und Lupita Nyong'o melden sich zu Wort.

Regisseur und Darsteller Lee (58, "Malcolm X", "Do the Right Thing") bekräftigte in einem Interview mit dem Sender ABC, dass er und seine Frau nicht zur Oscar-Show gehen würden. Dies sei aber kein Aufruf zu einem Boykott der Preis-Gala, erläuterte Lee. Im vorigen November hatte der schwarze Star von der Filmakademie einen Ehren-Oscar erhalten - und sich bei der Gala heftig über eine Unterrepräsentanz von Schwarzen in Hollywood beklagt. "Es ist einfacher, als Schwarzer Präsident der USA als Präsident eines Studios zu werden." Auch Jada Pinkett Smith (44) will aus Protest fernbleiben und die Show auch nicht im Fernsehen anschauen. "Um Anerkennung zu betteln oder auch nur darum zu bitten, mindert Würde und Macht", sagte die Schauspielerin und Ehefrau von Will Smith (47) in einem Facebook-Video. Smith war für seine Rolle in dem Drama "Concussion" (deutscher Titel: "Erschütternde Wahrheit") als Oscar-Kandidat gehandelt und dann übergangen worden. Der Ausschluss schwarzer Schauspieler sei "einfach verrückt", wetterte der Oscar-Preisträger Michael Moore (61, "Bowling for Colombine"). Er wolle die Show boykottieren, sich als "stolzes" Academy-Mitglied aber weiter für eine Stärkung der Vielfalt und für einen Wandel in dem Verband einsetzen.

Clooney beklagt Praxis


Oscar-Preisträger George Clooney (54) klagte im Interview der Filmzeitschrift "Variety" ebenfalls über die gegenwärtige Praxis. Auch Latinos und Frauen seien davon betroffen. Vor zehn Jahren habe es mehr Nominierungen für Schwarze gegeben, etwa für Don Cheadle und Morgan Freeman. "Wir gehen in die falsche Richtung", sagte Clooney. "Wir müssen das besser machen. Wir waren schon mal besser."

Der Oscar-Akademie gehören rund 7000 Mitglieder an - 94 Prozent seien weiß, 77 Prozent männlich, das Durchschnittsalter liege bei 62 Jahren, ermittelte die "Los Angeles Times". Die Vorsitzende Cheryl Boone Isaacs, eine Afroamerikanerin, setzt sich schon länger für eine größere Vielfalt ein. Natürlich sei sie über die rein weißen Nominierungen "untröstlich und frustriert", sagte Isaacs.

Das zweite Jahr in Folge


Schon im vergangenen Jahr durften schwarze Schauspieler bei der Oscar-Gala nur Preise überreichen, aber keinen entgegennehmen. "Heute ehren wir Hollywoods Weißeste, äh, Entschuldigung, Hellste", hatte Moderator Neil Patrick Harris gleich zu Beginn der Show sarkastisch bemerkt. Bei der 88. Oscar-Verleihung am 28. Februar könnte es noch bissiger werden, wenn der schwarze Komiker Chris Rock als Gastgeber auf der Bühne steht.
Wir gehen in die falsche Richtung. Wir müssen das besser machen. Wir waren schon mal besser.George Clooney
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