Künftige Hauptstadt der Oberpfalz

Der Neue in Ambergs Rathaus ist bereits ein alter Hase. Michael Cerny sitzt seit 1996 im Stadtrat, war sechs Jahre dritter, dann sechs Jahre stellvertretender Bürgermeister. Der Siemens-Informatiker setzt Wolfgang Dandorfers Kurs fort - mit dem augenzwinkernden Ziel: "Wir sind die heimliche, künftige Hauptstadt der Oberpfalz."

Rückblickend sei die wichtigste Entscheidung für den Standort Amberg sicher die Ansiedlung der Hochschule gewesen, die sich heute zur OTH entwickelt habe. "Natürlich fällt so eine Entscheidung die Staatsregierung", räumt Michael Cerny ein, "aber darum muss man kämpfen."

Der neue Oberbürgermeister findet, dass der Doppelstandort, damals ein schwieriger Kompromiss, nicht nur aus bildungs- sondern auch aus strukturpolitischer Sicht richtig gewesen sei. "Die OTH ist ein verbindendes Element. Früher schaute man oft neidisch aufeinander, heute empfinden sich Amberger und Weidener als Oberpfälzer, die miteinander um ihre Interessen kämpfen." Regensburg sei dagegen in erste Linie Regensburg, die freie Reichsstadt - dann erst Oberpfalz.

Es war der Running Gag zwischen der damaligen Regierungspräsidentin Brigitta Brunner und dem seinerzeitigen Bürgermeister: "Bei Frau Brunners Antrittsbesuch in Amberg habe ich ihr schon gesagt, der Regierungssitz sei jetzt schon sehr lange in Regensburg - es werde Zeit, dass er nach Amberg zurückkehrt und sie sei herzlich bei uns willkommen." Die Behördenchefin habe hellauf gelacht. "Seitdem zieht sie mich damit auf."

Nicht nur zum Spaß

Doch das Amusement wurde zunehmend ernster. "Als die Kaserne geschlossen wurde und mit dem Abzug der Bundeswehr viele Arbeitsplätze wegfielen, wiederholten wir die Forderung: Wir brauchen einen Ersatz." In dieser Gemengelage hätten die Amberger die große Glocke geläutet: "Selbst die Staatsregierung sah ein, dass etwas geschehen muss, wenngleich sie auch nichts davon hält, Behörden innerhalb der Oberpfalz zu verlagern." Was man erreicht hat: Es wurde über Amberg gesprochen.

"Regensburg ist so stark, es würde überhaupt nicht auffallen", insistiert Cerny auf seiner Idee. Amberg habe zwar bisher noch keinen konkreten Antrag gestellt, aber das Ziel sei klar: "Wir sind die heimliche, ich sage immer, die künftige Hauptstadt der Oberpfalz." Ob die Zeit dafür schon reif sei, darüber könne man streiten. Aber die Regierung als Kompensation wäre die Größenordnung, die Amberg an Wirtschaftskraft verliere: 450 Stellen.

Heimat-Minister Markus Söders Nordbayernplan findet Cerny ganz passabel. "Wäre ich ein Landespolitiker, würde ich sagen, es ist richtig, dass Oberfranken einen großen Brocken bekommt - ich möchte nicht in deren Haut stecken." Natürlich hätten sich Amberg und Weiden aber auch gewünscht, dass der dickste Oberpfälzer Brocken nicht wieder dahin geht, wo es eh schon brummt, nämlich nach Regensburg.

Und der neue Oberbürgermeister hat gleich noch einen konkreten Vorschlag: "Wenn die Staatsregierung 1,5 Milliarden Euro in den Ausbau des Breitbandes steckt, muss der nächste Schritt sein, den Bereich Digitalisierung auszubauen." Es gehe nicht nur darum, die Zeitung online schneller lesen zu können: "Entscheidend ist, ob wir es schaffen, im Wifi-Bereich wesentliche Teile nach Nordbayern zu bekommen."

Nichts gegen Behörden, sagt Cerny, aber man brauche auch Elemente, die eine eigene wirtschaftliche Dynamik erzeugen: "Forschung, Institute und Ausgründungen sind gefragt, dann entsteht automatisch der Markt außen rum."

E-Commerce-Standort

Informationssicherheit etwa sei ein großes Thema. "Mein persönliches Steckenpferd ist digitale Bildung - Apple hat seine eigene University. Ich finde, der Staat müsste eine digitale Schulbücherei aufbauen, die jeder jederzeit runterladen könnte." Das garantiere einerseits eine größere Durchlässigkeit des Schulsystems, unabhängig von der wirtschaftlichen Situation, wenn sich etwa auch ein Realschüler anschauen könne, wie die das am Gymnasium machen. "Gleichzeitig kann ein Markt für Übungs-Apps entstehen."

Die Vision: "Lasst uns den Norden Bayerns zu einem E-Commerce-Standort ausbauen", feuert Cerny an. "Mit Conrad haben wir schon einen Big Player in der Region, das würde sich anbieten - dann nehmen wir noch E-Government dazu und bauen Rechenzentren.
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