Künstlerin Fati Mariko kämpft gegen weibliche Genitalverstümmelung und Verheiratung von Kindern
Tränen, ein Leben lang

Mittlerweile haben Frauen Schulabschlüsse, studieren und können bekannte Persönlichkeiten werden.
 
In den ländlichen Gegenden Westafrikas sind Mädchen trotz aller Aufklärung weiter von Bräuchen wie Genitalverstümmelungen und Zwangsverheiratungen bedroht. Bild: dpa

Im westafrikanischen Niger sind weibliche Genitalverstümmelung und Verheiratung von Kindern noch immer grausame Realität. Doch die Künstlerin Fati Mariko kämpft entschlossen dagegen an - besonders am Weltfrauentag.

Niamey. Es sind Bilder, die man bei Reisen durch das ländliche Westafrika oft sieht: Junge Mädchen spielen am Straßenrand, sitzen unter Bäumen im Schatten oder helfen ihren Müttern im Haushalt. Es sind fröhliche und lachende Gesichter. Doch dann ist im Film das Wetzen von Messern zu hören. Rasierklingen tauchen auf. Es folgt ein Schnitt, der ein ganzes Leben verändert. Bis heute ist die weibliche Genitalverstümmelung nicht nur im Niger, einem der ärmsten Länder der Welt, für viele Mädchen grausame Realität.

"Die Stille des Messers"


"Es ist das Thema, das mich am meisten berührt", sagt Fati Mariko. Die Sängerin (51) gehört zu den bekanntesten Künstlerinnen in ihrem Heimatland. Auftritte führen sie auch regelmäßig nach Europa. So war sie schon beim Africa Festival in Würzburg, die in Deutschland wichtigste Veranstaltung für afrikanische Musik. Der Kurzfilm "Die Stille des Messers" stammt von ihr und gibt auf einfache wie brutale Weise Einblicke in die Gesellschaft von einst und heute.

Die habe sich in den vergangenen Jahrzehnten im Niger, wo mehr als 18 Millionen Menschen leben, durchaus verändert. "Als ich 18 Jahre alt war, hatte ich überhaupt nichts zu sagen, nicht in der Familie und schon gar nicht in der Gesellschaft", erinnert sich die Sängerin. Heute höre sie ihren Kindern und Enkeln zu, die ein Recht auf eigene Meinung hätten. Verbessert hätten sich auch die Ausbildungsbedingungen. Noch in den frühen 1980ern habe es für Frauen geheißen: Bleibt zu Hause und kümmert euch um Mann und Kinder. "Mittlerweile haben Frauen Schulabschlüsse, studieren und können bekannte Persönlichkeiten werden."

Mariko ist das unter viel schwierigeren Bedingungen auch gelungen: Mit 16 Jahren musste sie heiraten und durfte nicht mehr zur Schule. Doch die Ehe zerbrach. Derzeit arbeitet sie an einem Film über Kinderhochzeiten. Es ist ebenfalls ein Thema, das sie mitnimmt. Als sie im Alter von 21 Jahren anfing, Liedtexte zu schreiben und gegen den Willen der Mutter aufzubegehren, handelte ihr erstes Stück von Zwangsheirat.

Viele Kinderbräute


Diese Sitte ist bis heute im Niger weit verbreitet. Hinzu kommt, dass viele betroffene Frauen noch nicht einmal Teenager sind. Statistiken zeigen, dass 2014 von 100 Frauen zwischen 20 und 24 Jahren jede Vierte bei ihrer Hochzeit jünger als 15 Jahre alt war. Drei Viertel jünger als 18.

Wenn es um weibliche Genitalverstümmelung geht, gibt es keine verlässlichen Zahlen. Doch sie beeinflusst das ganze spätere Leben. "Sieben Jahre alt war ich damals, und ich konnte nichts dagegen machen", sagt die Künstlerin im Film. Das Werk zeigt auch Marikos eigene Geschichte. Auch ihre Mutter kommt zu Wort und erinnert sich: "Sie hat anschließend Geschenke bekommen und gar nicht geweint." Die Tränen sind später gekommen und kommen immer wieder. "Es ist etwas, was dich dein ganzes Leben lang beschäftigt."

Tochter davor bewahrt


Das Beispiel zeigt auch: Häufig sind sie es Frauen, die diesen alten Brauch ausführen. "Es gibt sogar Männer, die darüber gar nicht informiert sind", sagt Mariko. Als ihre Tochter beschnitten werden sollte, wehrte sie sich erfolgreich.

Große, solidarische Bewegungen sucht man im Niger vergebens. Auch die Frauenquote von 15 Prozent für politische Ämter wird oft kritisch beurteilt. "Damit bekommen Frauen zwar 15 Prozent, aber auch nie mehr als 15 Prozent", so eine Frauenrechtlerin. Im Vorzeigestaat für Frauenrechte Ruanda liegt sie bei 64 Prozent. Dahin ist es für Niger noch ein weiter Weg.
Mittlerweile haben Frauen Schulabschlüsse, studieren und können bekannte Persönlichkeiten werden.Fati Mariko
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