"Kulturgut Pferd" erhalten
Briefe an die Redaktion

Zur Berichterstattung über eine Sitzung des Finanzausschusses, in der das Gremium die Einführung einer Pferdesteuer ablehnte:

Sicherlich ist die Zahl der im Stadtgebiet Weiden zur Besteuerung anstehenden Pferde, mit einer Bandbreite von 60 bis 200, sehr unterschiedlich angegeben. Jedoch trifft genau dies - ohne hier die bereits steuerpflichtigen Hundebesitzer verärgern zu wollen - bereits des Pudels Kern. Denn welche Pferde werden denn nun für die Besteuerung gezählt? Rigoros alle? Oder gibt es Ausnahmen, so z. B. die vereinseigenen oder von Privatleuten zur Verfügung gestellten Pferde in den verschiedenen Reitschulen der Stadt oder in hippotherapeutischen Einrichtungen? Die Anzahl der im Stadtrat zitierten "Ackergäule" oder vom Sport- zum Ackerpferd mutierenden Equiden wird - zugegebenermaßen - eher gering ausfallen.

Vor diesem Hintergrund sind die Aussagen des Stadtrats Dr. Matthias Löw sicherlich zu relativieren. Verwunderlich, dass er diese Aussage überhaupt derart getätigt hat. Stammt er doch selbst aus einer pferdebegeisterten und pferdehaltenden Familie, die aktuell Pferde in einem Weidener Pensionspferdebetrieb aufgestallt hat.

Bedauerlich finden wir, dass Sie den Reitsport als elitär darstellen und in die Ecke der Reichen und Schönen drängen. Sicher heizen Berichte, zum Beispiel über einen "Wunderhengst Totilas" mit einem geschätzten Einkaufspreis von 10 Millionen Euro, derartige (Neid-)Diskussionen immer wieder an, dabei ist ein derartiges Pferd in keinster Weise repräsentativ für den Reitsport des 21. Jahrhunderts. In der Regel sind die Pferdehalter der Gegenwart und auch in Weiden nicht die Geldigen und Großkopferten, sondern meist (jugendliche) Normalbürger. Zitate wie "Früher hatte ich Zeit und Geld, heute hab ich ein Pferd" spiegeln die Realität wider.

Für uns ist ein Pferd allerdings primär kein Tier, sondern ein Kulturgut, dem wir sehr viel verdanken. Wenn Sie sich zurückerinnern, so gab es bereits in den 1960er Jahren große Probleme, das Kulturgut Pferd zu erhalten. Mit dem Slogan "Das Pferd muss bleiben" wurde damals eine große Initiative zur Erhaltung des Kulturgutes Pferd ins Leben gerufen.

Hätte es damals die Reiter und Vereine nicht gegeben, die diese Initiative unterstützt haben, so könnten wir heute mit Sicherheit das Pferd, selbstverständlich steuerfrei, im Zoo bewundern. Stellt sich die Frage, ob wir das wollen.

Franz Winter, WeidenVertreter des Reit- und Fahrvereins Oberpfalz

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