Kunden haben weniger Zeit
Mehr Einkaufsmuffel

Eine Kundin geht in einem Supermarkt zwischen den Regalen hin und her. Immer mehr Deutsche haben keine Zeit für den Einkauf. Bild: dpa

Geschäfte in den Innenstädten klagen über Kundenschwund. Und auch für den täglichen Einkauf im Supermarkt nehmen sich viele Bundesbürger immer weniger Zeit. Darunter leiden nicht zuletzt Bäcker, Metzger und Wochenmärkte.

Düsseldorf. Die Deutschen gehen immer seltener einkaufen. Der Einzelhandel beobachtet diesen Trend mit großer Sorge. Bei einer Umfrage des Handelsverbandes Deutschland (HDE) klagten im Frühjahr über 70 Prozent der Geschäfte in den Innenstädten über rückläufige Kundenzahlen.

Einen Grund dafür sieht der HDE nicht zuletzt im Boom des Online-Handels und warnt, dass in den nächsten Jahren bis zu 50 000 Läden in den Innenstädten gefährdet seien. Doch nicht nur in den Fußgängerzonen wird seltener eingekauft. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) beobachtet schon seit einigen Jahren einen Rückgang der Besucherzahl bei Supermärkten und Fachgeschäften wie Bäckereien, Metzgereien oder Parfümerien.

Sechs Prozent Rückgang


Kauften die deutschen Konsumenten vor vier Jahren im Durchschnitt noch rund 241 mal im Jahr Güter des tägliche Bedarfs wie Lebensmittel, Körperpflegeprodukte oder Reinigungsmittel ein, so ist die Zahl inzwischen auf 228 gesunken. Das entspricht einem Rückgang von fast sechs Prozent. Bei Fachgeschäften und Wochenmärkten fiel laut GfK-Experten sogar jeder zehnte Besuch aus.

Schuld an den selteneren Stippvisiten ist aber nach Einschätzung des GfK-Handelsexperten Wolfgang Adlwarth nicht in erster Linie die Konkurrenz aus dem Internet. Denn anders als im Textilhandel spielt die Online-Konkurrenz bei Artikeln des täglichen Bedarfs noch keine große Rolle. Der Branchenkenner macht für die Entwicklung eher die Zeitknappheit der im Berufsleben stehenden Konsumenten verantwortlich. Das führe zum Beispiel dazu, dass sich die gestressten Konsumenten den Gang zum Fachgeschäft ersparen und Brot oder Fleisch gleich im Supermarkt mitnehmen.

Vor allem Supermarktketten wie Edeka oder Rewe scheinen derzeit von dem Trend zum schnellen Einkauf zu profitieren. Schließlich erlaubt ihr vielfältiges Angebot, in einem Rutsch die ganze Einkaufsliste abzuarbeiten. Zwar werden auch die Supermärkte vom Käuferrückgang nicht ganz verschont, doch wird dies durch größere Einkäufe mehr als wettgemacht, wie Adlwarth betont. Auch Discounter wie Aldi oder Lidl bemühen sich mit Backstationen, Markenartikeln und frischem Fleisch oder Fisch in der Kühltheke, ihren Kunden ein "One-Stop-Shopping" zu ermöglichen. Verlierer sind vor allem die Fachgeschäfte. Die Zahl der Fleischer-Fachgeschäfte in Deutschland sank zwischen 2004 und 2014 von über 18 000 auf knapp 14 000. Und auch die Zahl der Bäckereibetriebe schrumpft. Die "Speerspitze der Einkaufsreduzierer" sind der GfK zufolge die Verbraucher unter 40 Jahren.

Trendwende in Sicht


Doch könnte sich eine Trendwende anbahnen: In diesem Jahr beobachten die Verbraucherforscher bei den unter 40-Jährigen erstmals wieder eine leichte Zunahme der Zahl der Shoppingtrips. "Es könnte ein erstes Signal sein, dass die unter 40-Jährigen die Freude am Einkauf wiederentdecken", meint Adlwarth. Dafür spreche, dass von der Trendwende überdurchschnittlich Biomärkte oder Hofläden profitierten.
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