Kurztrip in den Garten Eden

Berggorillas gehören zu den seltensten Tieren der Erde. Sie zu besuchen, erfordert viel Geld und Fitness. Aber das Erlebnis entschädigt für alle Mühen. Ruanda weiß um die Faszination der Menschenaffen - und nutzt sie für den Aufbau des Landes.

Der Anstieg auf die Virunga-Vulkane ist steil. Noch ist es kühl, Tau und Nebelschwaden liegen über den Tropen. Weil auf über 2000 Metern geklettert wird, macht sich die Anstrengung schnell bemerkbar. Ziel des Marsches ist eines der seltensten und beeindruckendsten Tiere der Erde: der ostafrikanische Berggorilla.

Unvergessliches Erlebnis

Um den Menschenaffen von nah zu begegnen, ist vielen Primatenfans kein Weg zu weit, keine Mühe zu schwer und keine Genehmigung zu teuer. Das Erlebnis ist unvergesslich, fast wie ein Kurztrip in einen immergrünen Garten Eden. Die berühmte Gorilla-Forscherin Dian Fossey war eine der ersten Weißen, die sich der Faszination dieser wilden Berge nicht entziehen konnte. Sie gründete die bis heute bestehende Forschungsstation Karisoke. Fosseys in "Gorillas im Nebel" verfilmte Lebensgeschichte hat viel dazu beigetragen, Urlauber in die Region zu locken. "Heute ist der Gorilla-Tourismus eine der wichtigsten Einnahmequellen Ruandas", sagt Reiseführer Arthur Bahizi. Obwohl die Berggorillas auch auf der ugandischen und kongolesischen Seite der Virungas leben, entscheiden sich die meisten Besucher für Ruanda, um sie zu erleben. "Natürlich kennen Gorillas keine Grenzen", sagt Ranger Felicien. Aber Ruanda gilt 20 Jahre nach dem verheerenden Völkermord an den Tutsis als sicheres, modernes Land, das über ein gutes Straßennetz verfügt und seine herrliche Umwelt samt der darin lebenden Tiere schützt. "Hier in Ruanda sind die Berggorillas König", meint Felicien lächelnd. Die Regierung hat schon lange das wirtschaftliche Potenzial entdeckt, das die vom Aussterben bedrohten Tiere für das Land bergen. Stolze 750 Dollar (547 Euro) kostet eine eintägige Genehmigung. Allein im vergangenen Jahr zogen die Tiere 25 400 Besucher an.

Meterhohe Brennnessel

Genau eine Stunde dürfen Touristen bei den Berggorillas bleiben - denn die Affen sollen möglichst wenig in ihrem normalen Tagesablauf gestört werden. Das letzte Stück der Wegstrecke zur Gruppe "Ntambara" ist hart: Trotz Trekking-Schuhen, langen Hosen und Handschuhen scheinen sich die meterhohen Brennnesseln durch jedes Textil durchzubeißen. Die Haut juckt, die Beine brennen, der Schweiß rinnt - aber all das ist umgehend vergessen, als der erste Silberrücken auftaucht. Die Besucher halten den Atem an. Denn der Nationalpark ist kein Zoo, es gibt keine Sicherheitsabgrenzungen, keine Gitterstäbe und keine Safari-Fahrzeuge. Die Berggorillas können aggressiv werden, wenn sie sich bedroht fühlen. Da sitzt der schwarze Riese und frisst in aller Ruhe Disteln, Bambussprossen und Brennesseln. Ein paar Meter weiter liegt eine Gorilla-Dame im Gras und schaut die Besucher mit eher gelangweiltem Blick an. Ganz in der Nähe, hinter hohem Gestrüpp, findet sich ein weiteres Dutzend Menschenaffen, darunter auch hinreißend süße Babys, die ihren Müttern und Vätern auf dem Kopf herumtanzen und übermütig im Gras tollen. Doch schon bald ist der Kurztrip vorbei, Felicien ruft zum Aufbruch. Den Gorillas scheint das egal zu sein. Sie dürfen im Garten Eden bleiben.
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